Nicht des Geldes wegen

Die Generalprobe für die Alte Dame ist vorbei, und mir gehen tausend Dinge durch den Kopf, die es wert wären, festgehalten zu werden, aber es fällt etwas schwer, sie zu sortieren. Eine kleine Auswahl.

  1. Menschen sollten nicht mit wertvollen Dingen konfrontiert werden, wenn sie noch zu jung sind, den Wert der Sache zu erkennen und sie stattdessen verdammen.
    Ich kann mich kaum an ein Stück deutsche Literatur erinnern, die ich in der Schule gelesen und wertgeschätzt habe. Allein Nathan der Weise bildet wohl eine Ausanhme. In den letzten Wochen habe mir viele mit einem verächtlichen Blick erzählt, sie hätten Der Besuch der Alten Dame im Deutschunterricht gelesen, einige konnten sich gar nicht mehr daran erinnern. Ich weiß nicht, wie ich das damals gesehen hätte, aber wohl kaum mit der gleichen Begeisterung, mit der ich das Stück jetzt entdeckt habe.
  2. Ich möchte, dass endlich die Musik aufhört zu spielen.
    Den ganzen Tag macht es “naaaach Austraaalien!” – “niiiiiemand will Sie tööten! Niiieeemand! NIIIEEEMAND!!!!” – “nicht des Gelden wegen…. SONder der GeRECHTigkeit WEgen….” – “eine neue Bibel!”. Gott alleine weiß, wie Gottfried von Einem zu dem gekommen ist, was er uns da musikalisch hinterlassen hat – manchmal sehr skurril, machmal schon cool, aber nach sechs Wochen definitiv anstrengend. Die Gudruuuun… Hamburg Neapel, Hamburg Neapel…..
  3. Es geht nicht ohne Opfer!
    Auf einer Widerlichkeitsskala rangieren Strumpfhosen bei mir irgendwo zwischen Thunfisch und Rosenkohl, aber wir sind ja schließlich nich zum Spass hier! Mittlerweile habe ich mich etwas aklimatisiert und mit Schuhen, Strumpfhosen und anderen Abschnürungen Frieden gefunden, nicht zuletzt weil das Kostüm-Masken-Gesamkunstwerk phantastisch ist. Auch wenn ich die eine oder andere mit ihrer Erscheinung habe hadern hören, ergibt sich in der Zusammenschau eine wirkungsvoll triste, graue Einheit, die sich bis zum Schluss langsam in ein fröhliches, wenn auch verlogenes Bunt aus einer anderen Zeit wandelt. Dafür würde ich auch ein Stück Rosenkohl essen!
  4. Schaut es Euch selbst an!!
    Der Besuch der Alten Dame, Oper von Gottfriend von Einem, Libretto von Friedrich Dürenmatt am Stadttheater Gießen.

    Ich kann leider kein objektives Urteil über diese Produktion abgeben – nichts vermochte bisher meine Begeisterung umzubringen – nicht umzubringen, nicht umzubringen – weder ewiges regungsloses im Wald stehen, noch die nächtlichen Träume, die durch unzählige “Stopp, bitte!” unterbrochen wurden. Aber der Stoff hat Tiefgang und ich finde das Ergebnis sehr gelungen. Also: hingehen!
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4 Comments

Filed under Chantez, chantez!, Life in Gießen, Teatro

4 responses to “Nicht des Geldes wegen

  1. ina

    hehe, good ad!! “Gnääääädige Frau….” :)))) (der Lehrer:D)

  2. DP

    Na dann kann ich nur sagen: Toi, toi, toi!
    Vielleicht schaff ichs ja auch demnächst mal ins Publikum… – der kulturelle Appettit jedenfalls ist angeregt 😉

  3. Steffi

    Stop, bitte! Sehr schön gesagt… 🙂

  4. Pingback: Sondern der Gerechtigkeit wegen! | Schratiblog.

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