Die Seele, in der die Liebe wohnt, ermüdet nie und nimmer

El alma que anda en amor, ni cansa ni se cansa – ein Satz, tausende Male besungen, wenngleich wohl nie auf einer Opernbühne. Doch genau dort ist er mir wiederbegegnet – als Emotion, nicht als gesungenes Wort. So ganz absurd ist das nicht, geht es in der Oper doch immer um die Liebe, gerne auch in verworrenen bis absurden Geschichten, aber dafür lieben wir dieses Genre ja.

In Donizettis Linda di Chamounix – hier in der Inszenierung Hans Walter Richters am Stadttheater Gießen – scheint es mit der Liebe scheinbar recht offensichtlich. Linda und Carlo suchen ihr gemeinsames Glück inmitten gesellschaftlicher Zwänge und männlicher Machtinteressen, mit mehr Drama, als das wahre Leben wohl ertragen könnte. Dabei wird Linda völlig entwurzelt – die dörflichen Machtinstanzen hegen lüsterne Interessen, ihre Eltern schicken sie aus der Heimat fort, ihr Carlo ist dem Selbstmord nahe, der Vater verstößt sie – schließlich verfällt Linda dem Wahnsinn, bevor sie zu Carlo zurückfindet.

Doch die nie ermüdende, liebende Seele, sie scheint mir in dieser Oper nicht den heteronormativen Hauptrollen auf den Leib geschrieben. Vielmehr findet man sie in der schmächtigen Nebenfigur Pirotto, der gute Freund Lindas. Pirotto ist die einzige Konstante in Lindas Verzweiflung. Egal wie groß diese Verzweiflung, er singt für sie, er geht neben ihr in ihrem Wahnsinn. Er hat dunkle, nicht unwahre Vorahnungen und sucht sie zu beschützen, er tröstest sie über Verlust und Verzweiflung, er ist der einzige, der sie in ihrem dunkelsten Moment noch anlächelt. Pirottos Seele liebt und mit dieser Liebe führt er Linda zurück ins Leben. Er steht am Ende mit leeren Händen, aber vielleicht mit vollem Herzen da. Ob sie glücklich ist, diese Seele, ob sie allein mit einer Sehnsucht zurück bleibt – das bleibt offen, vielleicht ja auch gänzlich unbemerkt. Doch trägt Pirottos Seele wie keine andere unermüdlich durch das Stück.

Die Liebe, sie sucht zu berühren, auch – oder gerade – auf der Opernbühne. Dafür liebe ich dieses Genre.

Foto: Rolf K. Wegst

Pirotto und Linda in Linda di Chamounix (Stadttheater Gießen, Foto: Rolf K. Wegst)

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