Über nicht-reziprokes Schenken

Zu Weihnachten sollte ein Eintrag in mein Gratitude Journal nicht fehlen. Ganz klar: Ich bin dieser Jahreszeit für ihre reiche Geschenke-Tradition dankbar!

Zum einen – wenngleich nicht mit oberster Priorität – natürlich über das Beschenkt werden. Wobei man ja bekanntlich nicht alle Geschenke über einen Kamm scheren darf…

Da gibt es – und da hat sicher jeder seine eigene, ganz persönliche Erfahrung – das Fiasko-Geschenk, bei dem sich  vielleicht für die guten Absichten noch ein wenig Dankbarkeit zusammenfühlen lässt.

Da gibt es den Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis oder eine persönliche Dienstleistung, der ein unglaublich wertvolles Angebot, ein Zeit-Geschenk, ausdrückt, dessen Einlösung aber manchmal leider im Sande verläuft.

Da gibt es – als zwischenmenschliches Geschenk leider viel zu oft verkannt – das Teilen von Erfahrungen und Blickwinkeln, aufrichtige Anteilnahme und aufmerksames Zuhören. In der Regel nicht verpackt, aber von unvorstellbar großem Wert!

Da gibt es Dinge, ob man sie braucht oder nicht, die einen für immer an den Schenkenden erinnern und damit weit mehr sind als ein Gegenstand.

Da gibt es Geschenke, deren wahrer Wert nicht in seinem monetären Äquivalent liegt, sondern in einer Botschaft, die den Beschenkten in seinem Sein bejaht.

Die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Es kristallisiert sich jedoch ein Gedanke heraus: Die schönsten Geschenke sind jene, die eine sich vertiefende Verbindung zwischen zwei Menschen spüren lassen – ein Geschenk für beide.

Noch dankbarer bin ich für den viel berührenderen Part der Geschenke-Tradition, nämlich dem Schenken an sich. Auch wenn es immer wieder eine Herausforderung darstellt, den gerade an das perfekte Geschenk formulierten Anspruch zu erfüllen (die sich vertiefende Verbindung), fühle ich mich oft, als säße ich selbst wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, wenn ich für einen lieben Menschen ein perfektes Geschenk gefunden habe, mit einem nicht bezifferbaren immateriellen Wert, Ausdruck von Freundschaft und Liebe. Gebe es die Geschenke-Tradition nicht, dies würde mir am meisten fehlen!

Und wo wir bei immateriellen Werten sind – an dieser Stelle läuft die Theorie, Grundlage des Schenkens sei Reziprozität, in eine Sackgasse. Aber das gemeinsame Amüsement über Dr. Sheldon Coopers Analysen sozialer Konventionen – man überlasse dem anderen kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung, ein Geschenk von ebenso großem Wert zu beschaffen, welches zudem das gleiche Beziehungslevel repräsentiere wie das ursprünglich Geschenkte – das wiederum ist ein Geschenk von unbezifferbarem Wert.

In diesem Sinne wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit einem offenen Auge für all das, womit wir bereits beschenkt sind und mit einem offenen Herzen für die Liebe, die es zu schenken gilt – und das weit über das Weihnachtsfest hinaus.

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Filed under #TalkPeace, Gratitude Journal

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