Hustekuchen #4

Ich habe lange versucht, es zu ignorieren, aber nun stelle ich mich der Tatsache, dass mein Blogging-Comeback, das sich »zu Beginn von Corona« andeutete, gescheitert ist. Ein paar Mal habe ich die frei gewordenen Time Slots zum Schrieben genutzt, ein paar Wochen später erlangten dann aber andere Dinge höhere Priorität – mehr mit dem Rad zur Arbeit fahren, mehr die Natur beim sich wandeln bestaunen, mehr Aufwand für die Produktion digitaler Lehrinhalte für die Hochschule.

Und in der Zwischenzeit ist viel passiert. »Alltagsmasken« sind inzwischen so alltäglich geworden, dass ich mich im österreichischen Supermarkt, in dem die Maskenpflicht zwischenzeitlich ausgesetzt war, fast schon ein bisschen nackt fühle. Das Virus hat seine eigenen prominenten Persönlichkeiten hervorgebracht (wer kannte zuvor Christian Dorsten?), andere hat er auf kuriose Weise gestürzt (wer (be-)kennt (sich) noch (zu) Attila Hildmann? Wir kochen nur noch aus dem Buch von Klaus Peter). Nach dem Lockdown kam ein längerer Open-Up-Prozess, den man aber nicht mehr mit einem griffigen Anglizismus versah, sondern »schrittweise Öffnung« nannte. Nun wird diskutiert, ob eine zweite Welle da ist, noch kommt, oder die erste noch gar nicht vorbei ist. Und weil die Sonne gerade so warm scheint, denke ich ein bisschen verträumt an die Wellen der letzten Jahre zurück, an das Mittelmeer, den Pazifik, die schönen Wellen, die für ein paar Sekunden alles vergessen lassen.

Statt der perfekten Welle gab es diesmal den perfekten Gipfel – die faszinierende Weite der Berge, die mich immer in Staunen und Demütigkeit versetzt. Wer hätte gedacht, dass in diesem Sommer ein Urlaub in »Norditalien« möglich ist? Die Südtiroler erwiesen sich als sehr Corona-diszipliniert (eine Touristendichte auf gefühltem Nebensaison-Niveau hat dabei sicher geholfen) und gastfreundlich und haben uns damit ein sehr großes Privileg erleben lassen – rauskommen, Tapetenwechsel, Urlaub, Bergluft. Mit relativ festem Job im Rücken (noch so ein Privileg), aber auch vor Augen, dass uns all das noch eine ganze Weile begleiten wird, mindestens in eine Zeit, in der uns das Wetter wieder in Häuser und Räume zwingt.

Und so genieße ich sie nun, die Sonne am Himmel, und hoffe, das auch sie uns über den Herbst und den Winter begleiten wird, egal was hier unten passiert (und wie viele Blogging-Comebacks ich währenddessen zelebriere).

PS: Ich fühle mich übringens nicht von unserer Regierung kontrolliert. Auch nicht voll Bill Gates. Nur von Attila Hildmann, sein Foto schaut immer vom Kochbuchregal herab, wenn ich ein Stück Käse aus dem Kühlschrank nasche.

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