Analogkäse

Ende letzter Woche berichteten die Zeitungen von einer großen Sensation, der Papst habe sich für die rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausgesprochen. Schließlich seien Homosexuelle Kinder Gottes und hätten das Recht, in einer Familie zu lebe. Welch Zugeständnis. An der Lehre, die im Umgang mit Homosexuellen »Achtung, Mitgefühl und Takt« empfiehlt, ändern das freilich nichts. Da scheint sich im Vatikan mal wieder das Tempo des Fortschritts vom Stillstand nur unwesentlich zu unterscheiden.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich der Papst da für eine meines Erachtens äußerst diskriminierende Variante der rechtlichen Absicherung ausspricht – zumindest wenn die eingetragene Lebenspartnerschaft ausschließlich gleichgeschlechtlichen Paaren offensteht (nicht so z.B. die französische »Ehe Light«). Denn was wird denn da eigentlich eingetragen? Nicht nur, dass zwei Menschen sich an einander binden möchten, sondern auch, dass eben diese beiden Menschen homosexuell sind. Drei Klicks durch eMeld21 für einen Verwaltungsfachangestellten im Einwohnermeldeamt, um sich eine Liste aller vor dem Staat geouteten Homosexuellen ausgeben zu lassen. Wer da mal keine bösen Erinnerungen an zum Glück vergangene und hoffentlich nicht wiederkehrende Zeiten hat.

Kirchenrechtlich ist aus dem Vatikan in Sachen eingetragener Lebenspartnerschaft aber wohl erstmal nichts zu befürchten – Fortschritt, Stillstand, siehe oben. Die Evangelische Kirche hingegen hat sich dieses Konstrukts – ein der Hetero-Trauung analoger Käse – über einige Jahre hinweg bedient (und tut es teilweise immer noch). Mittlerweile konnte in vielen Regionen – so wie staatlicherseits im ganzen Land – der Übergang zu einer »Trauung für alle« vollzogen werden. Für diesen Fortschritt bin ich zutiefst dankbar, auch wenn er auf dem Papier größer ist als in den Köpfen. Da bleibt noch einiger Raum für Entwicklungen.

Vor einigen Wochen stieß ich auf einen Youtube-Kanal, deren Macherinnen sich zum Ziel gesetzt haben, diesen Raum zu füllen: »Anders Amen«. Zwei Frauen, die scheinbar akzeptiert haben, dass sich ihre Berufsbezeichnung von »Pfarrerinnen« auf »lesbische Pfarrerinnen« erweitert hat, wollen sichtbar machen, wie Queer und Kirche zusammenpasst. Sie tun dies wunderbar authentisch, wortstark, mit viel aufklärendem Wissen und aufklärerischer Haltung sowie einer riesen Portion Humor.

Ganz klare Abo-Empfehlung. Nicht nur an den Papst.

 Credits: Das L.Mag-Bibel-Motiv entstammt dem Anders-Amen-Studio, hier in einer eigenen Interpretation.

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