Schnell noch entschleunigen

Weihnachten ist und bleibt ein Fest voller Kuriositäten. Da ist dieses Gefühl, wenn ich den Weihnachtsbaum von der Terrasse ins Wohnzimmer trage und versuche, ihn gerade auf dem Ständer zu positionieren – was mache ich da eigentlich?! Da sind die Momente, in denen ich Menschen aus anderen Ländern (mit teilweise ebenso christlicher Kultur wie der hiesigen) versuche zu erklären, wer oder was eigentlich das Christkind ist – Baby Jesus, sieht aber auch ein bisschen aus wie ein Engel, ist definitiv weiblich und hat trotz der Herkunft, die irgendwo im heutigen nahen Osten liegt, blonde Haare. Das ist mindestens mal – sagen wir historisch ungenau, aber all das macht auch seit Kindertagen das Besondere dieses Festes aus.

In diesem Jahr kamen noch einige Kuriositäten dazu: der Corona-Lockdown bereitete dem innerstädtischen Sale-Finale ein vorzeitiges Ende, die verordnete Ruhe zeigte sich an vielen Stellen in einem unruhigen, fast depressiven Gewand, und zum Weihnachtseinkauf kurz vor dem Fest musste man eine extra Viertelstunde einplanen, die man in der Warteschlage verbringen durfte – nicht an der Kasse, sondern vor dem Einkaufswagenhäuschen. Schnell nochmal entschleunigen, bevor man sich maskiert und etwas verzweifelt durch die Supermarktgänge drängte.

Ein Gedanke ließ mich in den letzten Tagen dann aber nicht mehr los: dass all die Einschränkungen, die abgesagten Weihnachtsmärkte, nicht aufgebauten Glühweinstände, die ausgefallenen Weihnachtsessen und geschlossenen Geschäfte kein Bewusstsein dafür entstehen lassen konnten, wie das mit dem Advent und Weihnachten eigentlich mal gedacht war.

Dass der Advent hauptsächlich im Dezember liegt und nicht im September beginnt, dass der Advent eine Fastenzeit ist und eben noch keine Weihnachtszeit. Eine Zeit, in der es eigentlich mehr um das Weniger gehen sollte als um das Mehr – um schließlich das Viele, das die meisten von uns haben, bewusster erleben zu können. Eine Zeit, in der es auch um das Wahrnehmen der Dunkelheit geht, die dem Licht erst seine wahre Bedeutung verleiht – und die Frage, wie wir selbst Licht in diese Welt bringen können. Und für diese Frage feiern wir Weihnachten eigentlich viel zu kurz. Vor Silvester liegen die ersten Tannenbäume schon wieder auf dem Bürgersteig, und kaum eine Krippe erinnert noch bis Anfang Februar an das Kind und sein Licht, das an unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe rührt.

Dabei wäre es dann nur noch ein kleiner Sprung in die nächsten Fastenzeit, die schließlich das gleiche Geheimnis vorbereitet und feiert: Die Botschaft des Ganz-Werdens und der Liebe, die Gott in unsere Welt geschickt hat und die wir weitertragen dürfen – das ganze Jahr über.

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