Ostersturm – Cammino #8

Christus ist auferstanden!

Nach dem langen Weg nach La Verna hinauf haben wir den Karsamstag auf dem Berg verbracht, ein unglaublich wertvolles Geschenk. Ein Tag ohne Aufgabe, ohne Ziel zum einfach nur Dasein. In der Kloster Apotheke haben wir Arnica-Gel gekauft, ich glaube, das war gut investiertes Geld. Den Nachmittag verbringen wir in der Sonne am Ende des steilen Wegs zur Pforte, und während wir so die Seele baumeln lassen, kommen plötzlich Iris und Rudi völlig erschöpft den Weg hochgestapft. Sie hatten in Stia einen Tag Pause einlegen müssen und nun freuen wir uns alle riesig über das Wiedersehen. Heute sind wir es, die die Neuankömmlinge zur Rezeption begleiten, wo sie noch ein Zimmer erhalten.

Abends sind wir beim Osterfeuer auf dem großen Platz, es ist ein wunderbarer Moment mit einer sehr besonderen Stimmung. Leider endet unsere Osternacht in der Kirche um Mitternacht nach dem Evangelium – wir sind noch nicht vollends erholt und müssen schließlich am nächsten Morgen früh raus.

Der Ostermorgen ist rau. Schönwetterpilgern kann ja jeder, für uns geht es jetzt bei zwei Grad, dichten Wolken und Sturm los. Zwar haben meine Füße einen gewissen Auferstehungsmoment, doch es ist furchtbar ungemütlich. Und es wird abenteuerlich.

Nach einigen Hundert Metern stehen zwei Wildschweine auf dem Weg, sie berkemen uns aber zum Glück nicht. Wir kämpfen uns durch unwegsames Gelände, bewachsen mit Rosenbüschen, als plötzlich eine ganze Wildschweinfamilie durch das Gebüsch huscht, uns aber ebenfalls nicht wahrnimmt. Begegnungen mit einigen Hunden und Katzen gehen ebenfalls glimpflich aus. Zu Mittag gibt es nur ein Stück Brot mit viel Käse vom Abendessen, da die Geschäfte heute zu haben. Dank unseres Riegelvorrats kommen wir damit aber gut klar.

Dafür geht es mit Ausnahme eines nicht allzu herausfordernden Bergs hauptsächlich bergab. Doch der Sturm, die Kälte, der schlecht markierte Weg und schließlich auch die Länge der Etappe (19 Kilometer) fordern ordentlich heraus. Auch wenn später die Sonne scheint und die blühenden Landschaften nach der ein oder anderen kargen Strecke ein Fest für die Sinne sind. Und wir sind wieder alleine unterwegs. Alle unsere bisherigen Bekanntschaften werden wir wahrscheinlich nicht wieder treffen. Wir hoffen auf neue, auf diesem neuen Abschnitt des Cammino.

In Pieve San Stefano haben wir eine luxuriöse Unterkunft gebucht, ein Hotel mit leckerem Essen, in dem wir ziemlich erschöpft ankommen. Jetzt liegen fünf lange Etappen vor uns, manchmal frage ich mich, wie lange das mit den Füßen und den Beinen noch klappt. Heute war es schwer. Aber es fiel mir auch schwer, La Verna zu verlassen. Aber vielleicht gehört auch das zu diesem Weg. Das Unbeschreibliche im Herzen einpacken und weitergehen, wenn es dafür an der Zeit ist.

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