Regenglück – Cammino #12

Heute haben wir Glück. Der Wetterbericht las sich schon seit Tagen nicht gut für heute, es sollte regnen, das tat es die Nacht über auch. Am Morgen ist es weitgehend trocken, und so brechen wir Richtung Pietralunga auf. Da auch diese Etappe nicht in unserem Pilgerführer beschrieben ist, wissen wir nicht, was uns erwartet, es wurde uns aber ein steiler Aufstieg angedeutet.

Der Weg führt schließlich über 24 Kilometer auf einer Teerstraße nach Pietralunga, das hatten wir so nicht erwartet. Der Anstieg ist im Vergleich zu denen, die wir bereits bewältigt haben, durchaus gut machbar, die Beschilderung ist heute exzellent. Aber es bleibt frisch.

Der Weg führt an der Pieve di Saddi vorbei, einer sehr alten Kirche, die auf das 5. Jahrhundert zurück geht, mitten auf dem Land. Leider hat die Kirche im April noch geschlossen. Wir machen eine kurze, kühle Mittagspause und gehen dann durch Nieselregen weiter. Nasser wird es aber nicht mehr.

Ein paar Schnecken versuchen ebenfalls voranzukommen – vielleicht fühlt man sich auf dem Cammino manchmal so wie eine Schnecke, angesichts der Dimensionen, die zu bewältigen sind. Aber auch sie schafft es irgendwann über die Straße.

Kurz vor Pietralunga treffen wir schließlich auf andere Pilger. Barbara und Sylvie hatten wir schon zweimal beim Abendessen gesehen, und dann ist da noch ein amerikanisches Paar, das auch in Florenz losgelaufen ist. Zu sechs laufen wir wir auf die Start zu, aus vier Nationen angereist – ein toller Abschluss dieser für mich im Kopf etwas anstrengenden Etappe.

Die beiden Amerikaner treffen wir zufällig beim Abendessen wieder, als wir uns (Vegetarier) in ein auf Meeresfrüchte spezialisiertes Restaurant verirren. Russ ist Autor, er hat bereits ein Buch über den Camino de Santiago geschrieben, gerade testet er den Francesco-Pilgerführer eines Freundes und will als nächstes sein eigenes Buch über den Cammino schreiben. Die beiden Fragen, warum eigentlich so viele Deutsche auf dem Cammino sind. Das hatte ich mich auch schon gefragt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber ich freue mich auch immer, mal auf Menschen andere Nationen zu treffen.

Und so endet der kalte Tag mit einem warmen Abend in sehr netter Gesellschaft.

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