Category Archives: CoronaJournal

Hustekuchen #2

Seit zwei Wochen sind die Kitas zu, wir haben eine Woche Kontaktbeschränkungen hinter uns. In der Nähe eines Supermarktes habe ich bereits wieder Menschen gesehen, die Klopapier in ihren Einkaufstüten hatten. Vielleicht entspannt sich wenigstens an dieser Front die Situation. An vielen anderen bleibt sie kritisch und wird kritischer.

Ich habe einen “Corona-Geburtstag” gefeiert und besitze nun einen selbstgenähten Mundschutz. Die Party war natürlich abgesagt, dafür erreichten mich neben Anrufen und Videobotschaften sogar Geschenke auf dem Postweg – damit eine große Verbundenheit trotz Isolation. In Erinnerung wird sicher der Blick auf das Wesentliche bleiben: Sonnenaufgang, Frühling erleben, Garten, nicht alleine Sein.

Und auch ein systemrelevanter Arbeitgeber aus dem Sektor der sogenannten »Wohlfahrtsproduktion«. Ob die Studierenden diesen Begriff auch »nach Corona« immer noch so lernen werden? Auf jeden Fall wird man die Welt in neue Kategorien einteilen. Systemrelevanz ist sicher eine davon.

Anderen bleibt da nur ein kleines Musical. Und welches Glück haben wir, so viel dieser nicht-systemrelevanten Arbeit von Sängern und Künstlern konserviert zu haben und jederzeit hören und sehen zu können.

Währenddessen geben uns die Osteuropäer gezwungenermaßen ihre Arbeitsplätze zurück. Manche wollten sie in den vergangenen Wochen dann gleich schon an die Flüchtlinge weiterverscherbeln. Mal schauen, wer den Spargel dieses Jahr stechen wird. Und ob jemand dafür klatscht.

Wenn ich auf meinem Smartphone »Coro« tippe, schlägt mein künstlich-intelligentes Wörterbuch mir den Begriff “Corona-Ferien” vor. Ich schicke hiermit einen ersten Kandidaten für das Unwort des Jahres ins Rennen.  Circa dreißig Jahre lang hatte “Korona” für mich übrigens etwas mit Sonnenfinsternis zu tun, so wie es Peter Lusitg es in meiner allerersten Folge Löwenzahn erklärte. Vorbei diese doch so harmlose Assoziation.

Ein Blick auf die andere Seite der Welt: Auch in der Krise bleiben immer noch positive Dinge zu tun. Im US-Bundestaat Colorado wurde letzte Woche die Todesstrafe abgeschafft. Die texanische Regierung hingegen vertritt im Corona-Kontext eher die Meinung, es gebe Schlimmeres als zu sterben. Vielleicht erweist sich ja auch dort irgendwann emotionale Intelligenz als – systemrelevant. Noch streitet man darüber, ob eine solche Krise eher mit demokratischen oder diktatorischen Mitteln zu bekämpfen ist. Was sich schon zeigt – mit RumgeTrumpel funktioniert es nicht.

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Hustekuchen

Vielleicht ist es Zeit für eine neue, lose Serie, nachdem ich seit zwei Jahren in ebenso losen Abständen bereits mein Graditude-Journal fülle. Gedanken und Auffälligkeiten des Anbruchs einer neuen Welt, die uns sicher für längere Zeit dessen Berauben wird, was wir als Normalität angesehen haben.

Der Frühling ist jedenfalls gekommen, als sei nichts gewesen. Die Sonne weckt nach und nach die Knopsen und Blüten, während der Himmel in einem nahezu unbefleckten Blau strahlt – lange von keinem einzigen Kondensstreifen durchzogen.

Die Tageszeitung meldet: Herr Kühnert hat seinen Namen geändert, jetzt: Kevin “allein zuhaus” Kühnert.  Auch sonst ist die Tageszeitung dünn geworden. Und wird intensiv gelesen wie nie.

Die Wochenzeitung analysiert die Lage der Corona-Gerüchte:

(G. di Lorenzo/Die ZEIT 13/2020)

Die Weisheiten, die auf Bildern in täglichen Statusmeldungen gepostet werden, erhalten seltene  Tiefe: 2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Politik und Wirtschaft zugeben mussten, dass Berufe, die seit Jahren für Personalmangel, geringe Wertschätzung, unbezahlte Überstunden und vergleichsweise niedrige Bruttolöhne bekannt waren, systemrelevant sind. Vielleicht twittert demnächst auch noch jemand der Anteil der weiblichen Beschäftigten in diesen Berufen.

Es kusieren Anleitungen zum selbgenähten Mundschutz. Mal schauen, wann wir uns Klopapier nähen müssen.

Der dritte Post auf meinem Blog in zehn Tagen. Und ich dachte, die Zeit für überbordendes virtuelles Sozialleben sei vorbei gewesen. Hustekuchen.

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State of the Union

A tiny little virus is about to change our daily lives, forcing the poweful to their knees. Partly: impressive. On my way home from work I found these two impressive scenes and gave them symbolic titels:

Looking back.

Looking forward.

What I hope our grandchildren will read in their history books on 2020:

  • Humanity stopped kidding nature.
  • Serious (non-populist) leaders came back on the rise.
  • Humanity stopped kidding each other.

Spread love, not the virus.

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