Category Archives: CoronaJournal

Hustekuchen #3

Nun liegt das Osterwochenende vor uns, das vielerorts historisch anders sein wird. Die seit drei Wochen geltenden Kontaktbeschränkungen wurden über die Feiertag hinaus verlängert. Die »Inszenierung« des Ostereignisses in den Kirchen fällt aus, der Kern, das Geheimnis und die Botschaft bleiben aber – auch wenn das dieses Jahr nicht gemeinsam, sondern in jedem einzelnen Wohnzimmer zu entdecken ist.

In den letzten Tagen wurden die Rufe nach einer Existrategie laut, die man nach Ostern dringend brauche. Da klingt manchmal, als sei dieser »Exit« eine kleine, schmale Tür, durch die man hindurch gehe, und dann habe man alles hinter sich gelassen. So hatten sich die Briten das mit der EU sicher auch schon mal vorgestellt. Sicher ist: Es wird schneller »nach Ostern« als »nach Corona«.

Kürzlich fragte ich mich noch, wann die Presse wohl den Anteil der Frauen in den systemrelevanten Berufen beziffern würde. Die ZEIT gibt den Anteil mit ca. 75% an, noch höher sei er in systemrelevanten Berufen mit geringem Ansehen und niedrigem Einkommen. So gut wir auch gerade davon zu kommen scheinen, unser System wird sich noch einige Fragen gefallen lassen müssen.

Der Frühling zeigt sich weiterhin von seiner schönsten Seite, als hätte er mit all dem Gehuste rein gar nichts zu tun.

Nachdem ich vorletzte Woche schon Menschen mit Toilettenpapier in der Hand gesehen hatte, konnte ich letzte Woche in einem sozialisitsch angehauchten Moment selbst welches kaufen. Es gab »nur« eine Sorte (30% Recycling-Anteil) und eine Größe (XXL-Packung), die Abnahme war beschränkt (2 Packungen), das Gefühl reif für die MasterCard-Werbung (»unbezahlbar«).

Andere Güter sind weiterhin knapp. Obwohl nur bedingt hamsterungsfähig, scheint die Vorsorgung mit Hefe vollkommen zusammengebrochen. Auf die Fage, wer die denn alles kaufe, antwortet die Verkäuferin, »die ganzen Migranten«. Ah stimmt, »die« wissen ja auch noch, wie das mit dem Backen geht. Doch was bei Klopapier nur schwer möglich schien, könnte nun gelingen: Eine partielle Hefe-Autarkie. Erste Versuche zur Selbstproduktion waren teil-erfolgreich. Für das nächste Brot steht ein Hefe-Weizen bereit.

Auch an der Mundschutz-Front gibt es Neuigkeiten. An vielen privaten (und auch kommerziellen) Nähmaschinen wurde die Produktion hochgefahren, um das Land zumindest behelfsmäßig mit Mundschutzmasken auszrüsten. Den Näherinnen und mundschutzvertreibenen Organisationen drohnen nun erste Klageverfahren vermeindlich gelangweilter Anwälte, da es sich bei dieser Improvisation nicht um ein Medizinprodukte handle, die geläufige Bezeichnung Mund-»Schutz« dies aber suggeriere, inklusive der schützenden Wirkung. Ich glaube, wir sind in Deutschland noch nicht auf dem Höhepunkt der irgendeiner Krise angekommen.

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Hustekuchen #2

Seit zwei Wochen sind die Kitas zu, wir haben eine Woche Kontaktbeschränkungen hinter uns. In der Nähe eines Supermarktes habe ich bereits wieder Menschen gesehen, die Klopapier in ihren Einkaufstüten hatten. Vielleicht entspannt sich wenigstens an dieser Front die Situation. An vielen anderen bleibt sie kritisch und wird kritischer.

Ich habe einen “Corona-Geburtstag” gefeiert und besitze nun einen selbstgenähten Mundschutz. Die Party war natürlich abgesagt, dafür erreichten mich neben Anrufen und Videobotschaften sogar Geschenke auf dem Postweg – damit eine große Verbundenheit trotz Isolation. In Erinnerung wird sicher der Blick auf das Wesentliche bleiben: Sonnenaufgang, Frühling erleben, Garten, nicht alleine Sein.

Und auch ein systemrelevanter Arbeitgeber aus dem Sektor der sogenannten »Wohlfahrtsproduktion«. Ob die Studierenden diesen Begriff auch »nach Corona« immer noch so lernen werden? Auf jeden Fall wird man die Welt in neue Kategorien einteilen. Systemrelevanz ist sicher eine davon.

Anderen bleibt da nur ein kleines Musical. Und welches Glück haben wir, so viel dieser nicht-systemrelevanten Arbeit von Sängern und Künstlern konserviert zu haben und jederzeit hören und sehen zu können.

Währenddessen geben uns die Osteuropäer gezwungenermaßen ihre Arbeitsplätze zurück. Manche wollten sie in den vergangenen Wochen dann gleich schon an die Flüchtlinge weiterverscherbeln. Mal schauen, wer den Spargel dieses Jahr stechen wird. Und ob jemand dafür klatscht.

Wenn ich auf meinem Smartphone »Coro« tippe, schlägt mein künstlich-intelligentes Wörterbuch mir den Begriff “Corona-Ferien” vor. Ich schicke hiermit einen ersten Kandidaten für das Unwort des Jahres ins Rennen.  Circa dreißig Jahre lang hatte “Korona” für mich übrigens etwas mit Sonnenfinsternis zu tun, so wie es Peter Lusitg es in meiner allerersten Folge Löwenzahn erklärte. Vorbei diese doch so harmlose Assoziation.

Ein Blick auf die andere Seite der Welt: Auch in der Krise bleiben immer noch positive Dinge zu tun. Im US-Bundestaat Colorado wurde letzte Woche die Todesstrafe abgeschafft. Die texanische Regierung hingegen vertritt im Corona-Kontext eher die Meinung, es gebe Schlimmeres als zu sterben. Vielleicht erweist sich ja auch dort irgendwann emotionale Intelligenz als – systemrelevant. Noch streitet man darüber, ob eine solche Krise eher mit demokratischen oder diktatorischen Mitteln zu bekämpfen ist. Was sich schon zeigt – mit RumgeTrumpel funktioniert es nicht.

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Hustekuchen

Vielleicht ist es Zeit für eine neue, lose Serie, nachdem ich seit zwei Jahren in ebenso losen Abständen bereits mein Graditude-Journal fülle. Gedanken und Auffälligkeiten des Anbruchs einer neuen Welt, die uns sicher für längere Zeit dessen Berauben wird, was wir als Normalität angesehen haben.

Der Frühling ist jedenfalls gekommen, als sei nichts gewesen. Die Sonne weckt nach und nach die Knopsen und Blüten, während der Himmel in einem nahezu unbefleckten Blau strahlt – lange von keinem einzigen Kondensstreifen durchzogen.

Die Tageszeitung meldet: Herr Kühnert hat seinen Namen geändert, jetzt: Kevin “allein zuhaus” Kühnert.  Auch sonst ist die Tageszeitung dünn geworden. Und wird intensiv gelesen wie nie.

Die Wochenzeitung analysiert die Lage der Corona-Gerüchte:

(G. di Lorenzo/Die ZEIT 13/2020)

Die Weisheiten, die auf Bildern in täglichen Statusmeldungen gepostet werden, erhalten seltene  Tiefe: 2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Politik und Wirtschaft zugeben mussten, dass Berufe, die seit Jahren für Personalmangel, geringe Wertschätzung, unbezahlte Überstunden und vergleichsweise niedrige Bruttolöhne bekannt waren, systemrelevant sind. Vielleicht twittert demnächst auch noch jemand der Anteil der weiblichen Beschäftigten in diesen Berufen.

Es kusieren Anleitungen zum selbgenähten Mundschutz. Mal schauen, wann wir uns Klopapier nähen müssen.

Der dritte Post auf meinem Blog in zehn Tagen. Und ich dachte, die Zeit für überbordendes virtuelles Sozialleben sei vorbei gewesen. Hustekuchen.

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State of the Union

A tiny little virus is about to change our daily lives, forcing the poweful to their knees. Partly: impressive. On my way home from work I found these two impressive scenes and gave them symbolic titels:

Looking back.

Looking forward.

What I hope our grandchildren will read in their history books on 2020:

  • Humanity stopped kidding nature.
  • Serious (non-populist) leaders came back on the rise.
  • Humanity stopped kidding each other.

Spread love, not the virus.

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