Category Archives: En route

Photography for Future

This summer, we went to visit the Carmague, a protected regional parc in the south of France, and we came to the Etang de Vaccarès, the Carmague’s largest lake to watch the famous greater flamingo. Sadly, there were no flamingos to observe on the entire observation route through the lake.

Instead, I shot my ultimate climate change photograph:

Etang de Vaccarès, Carmague, France, 2019

As I post this, I remember I had already shot my ultimate climate change photograph last year – it is way more imperfect (due to snow storm and inability to carry heavy equipment on 5,000 m altitude), but the scene was so much more impressive:

Melting of Pastoruri Glacier ice in Peru, 2018

The glacier has experienced an enormous loss of ice over that last decades and seems to be deemed to irreversable shrinking in the present and future. It is said that about five years ago, the continuously declining number of visitors to the former tropical winter wonder land that was Pastoruri Glacier led the locals to be inventive and promote the day trip as »climate change route«.

Pastoruri Glacier, Peru, 2018

No matter how the route is called (my Spanish was too non-existing to grasp everything the guide said about the local effects of world climate change), everything at Pastoruri was impressive and a call for humility towards nature. But I admit – I was neither Jesus nor Greta, I had taken a flight over the Atlantic before.

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Über den Hügel

Es ist eine besondere Straße, die D981, die von Châlon durch das Department Saône-et-Loire Richtung Süden führt. In Châlon weist ein Schild mit der Aufschrift »TAIZÉ COMMUNAUTÉ suivre CLUNY« den Weg. Der Bus fuhr von hier aus immer noch ca. 40 Minuten, auf denen das Stillsitzen schwer viel, so groß war die Vorfreude. Wir schauten mit leuchtenden Augen aus dem Fenster, zählten die Dörfer, deren Reihenfolge mancher im Kopf hatte, herunter, bis schließlich: Cormatin, Taizé.

Es ist eine Straße der Sehnsucht – Sehnsucht nach einer Welt, in der die Seele ganz sein und zur Ruhe kommen darf. Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe, unter den Menschen und bei Gott.

Auf dem Weg in die Provence haben wir diesen Sommer einen Abend in Taizé verbracht, sind die Straße entlang gefahren, auf der ich so oft den Tränen nahe war, da sie für mich ein großes Stück weit nach Hause führte. Die Sehnsucht dieses Weges ist immer noch spürbar, doch die Tränen kommen mir heute auch vor Glück darüber, angekommen zu sein, an meinem ganz eigenen Ort des Ganzseins, der Ruhe und der bedingungslosen Liebe.

Vor 14 Jahren gab ich meinem Studien- und Wohnheimplatz zurück und folgte der Einladung, für längere Zeit nach Taizé zu kommen – und damit der Sehnsucht, die ich heute auf der D981 immer noch nachspüren kann. Durchatmen. Leben. Sein. Ankommen. Eine Bauchentscheidung, die mein Leben auf das Grundlegendste beeinflusste, auch wenn der Einfluss von Taizé selbst mit der Zeit immer weiter abnahm.

Ich bin ein paar Mal zurück gekehrt, mal mehr, mal weniger emotional emanzipiert, die letzte Übernachtung dort liegt schon viele Jahre zurück. Ich durfte Taizé mittlerweile meiner Familie zeigen, von der die jüngsten sogar schon wieder von ihrem ersten Jugendtreffen zurückgekehrt sind. Ich habe mein Zuhause gefunden, und bin dennoch tief berührt von dem kurzen Besuch auf dem Hügel, an dem ich immer noch eine wohlige Vertrautheit wahrnehme.

Mal spannend, mal kurios ist der Blick für die kleinen Veränderungen in der großen Kontinuität dieses Ortes – der Zahn der Zeit nagt an den damals (zu Beginn der 2000er Jahre) frisch renovierten Sanitäreinrichtungen, auf dem »No Meat«-Schild bei der Essenausgabe ist das »Meat« von der Sonne inzwischen vollkommen verblasst. Früher kamen die Permanents in die Kirche ins »Réservé«, zogen die Schuhe aus und setzten sich hin, heute nehmen sie dazwischen ihr Smartphone aus der Hosentasche und legen es neben die Schuhe. Auch die großen orangenen Bahnen, die über Jahrzehnte zum Wahrzeichen der Kirche der Versöhnung geworden waren, sind nicht mehr da – die Brüder haben die Kirche mit bunten Elementen gestaltet und auch Blautöne mit eingebracht – eine Veränderung, die ich nicht undankbar annehme – das Kirchengebäude meiner Jugend ist nicht in der Zeit stehen geblieben, ebenso wenig wie ich das möchte, auch wenn es manchmal vielleicht schwer fällt.
Auch einige Brüder sind älter geworden, die Zahl der jungen und auch noch jungenhaften Gesichter in den Novizenroben scheint aber unverändert. Etliche Brüder, die damals das Gesicht Taizés prägten, sind heute nicht mehr da, haben nach teilweise sehr langer Zeit ein neues Leben angefangen. Ich wünsche Ihnen und der Communauté, dass sie in Versöhnung miteinander leben können.

Und auch Mut und Licht haben vor Taizé nicht Halt gemacht: Es wurden Fälle von sexuellem Missbrauch öffentlich, mit denen man um vorbildlichen, respektvollen Umgang bemüht ist. Es wäre dem Hügel zu wünschen, dass es gelingt, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen – nicht nur der eigenen Betroffenheit wegen, sondern weil es unserer Welt an Räumen zum Fühlen und Aussprechen fehlt. Da mag die Tabuisierung von Sexualität sicher beim Durchatmen helfen, doch sie ist keine Perspektive für die Zukunft. Not so monastic, I know.

Auch wenn sich die Gesichter verändert haben, fasziniert mich auch in den wenigen Stunden auf dem Hügel immer noch das Miteinander der Menschen, die aus allen Winkeln der Welt kommen. Zwar weiß ich, dass es auch eine Realität hinter der vielleicht manchmal doch ein wenig romantisch verklärten Fassade gibt, aber die Fassade und die Realität, sie liegen gar nicht so weit auseinander (was immer noch genug Raum für alltägliche Herausforderungen bietet).

Taizé war für mich immer ein Ort, der mehr innere Freiheiten schenkte, als er äußere nahm – und durch die Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens tat er Letzteres reichlich. Doch die Regeln bezogen sich auf das Handeln, nicht auf das Sein, was die Notwendigkeit des alltäglichen »Performens« auf das kleinste minimierte. Geschlecht war eine binäre Kategorie, doch konnte man sich darauf einlassen, war das »Doing Gender« mit der Zugehörigkeit zu einer Wohngruppe erledigt. Taizé schenkte mir Einsichten in eine Spiritualität voller Liebe, in die Erkenntnis, dass Gott Liebe ist, und wer in der Liebe bleibt, in Gott ist – oder vielmehr eine Einladung, auf dem Weg dieser Erkenntnis zu gehen.

Ich bin sehr dankbar für das, was Taizé mit für diesen Weg mitgegeben hat. Taizé war mir eine Startbahn ins Leben und lange Zeit eine Art Heimatflughafen, an den man immer wieder zurückkehren konnte, verweilen, auftanken – bis es wieder weiter ging, auf abenteuerliche, auf stürmische, auf wunderbare Flüge, immer von einem Engel eskortiert.

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Energiewende

So sieht sie wohl aus, die Romantik der Zukunft. Was noch fehlt: Mit Ökostrom ans Meer fahren.

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Hauptstadtgefühle

Ich sitze im Zug und freue mich schon auf den letzten Teil der Fahrt – wenn der ICE von Berlin Spandau gemütlich zum Hauptbahnhof ruckelt, vorbei am Tiergarten, Siegessäule, in der Ferne die Reichstagskuppel, dann aussteigen, Hauptstadtluft schnuppern.

Hauptstadtgefühle

Andere schwärmen von Hamburg, München oder Köln – ich glaube, man kann nur eine Großstadt lieben, und dieser Platz in meinem Herzen ist seit Jahren an Berlin vergeben. Da steckt sicher eine Menge romantischer Verklärung dahinter, die ich mir aber als gelegentlicher Gast leiste. Was mich begeistert, ist der Geist der Geschichte, den man hier an so vielen Ecken einatmen kann, ohne dabei in ferne Jahrhunderte zurückgehen zu müssen. Hier hat sich Welthistorie zu meiner Lebzeit abgespielt, und doch hat sich die Stadt in den letzten 30 Jahren so wahnsinnig gewandelt, dass die Welt von damals nur schwer wiederzufinden ist. Es sind die Straßenschilder, die ihre ganz eigenen Schriftarten mit den auffälligen Ligaturen verwenden. Es ist das Teilhaben am Großen, Berühmten, am Fernen, am vielleicht manchmal unerreichbar Scheinenden, an Bauwerken, Stadtvierteln, an Stimmungen. Es ist das Eintauchen in eine bunte Welt, in der es alle Arten von Menschen zu geben scheint.

Bevorzugt reise ich mit meiner Kamera nach Berlin, ich darf sie betrachten, diese bunte Welt mit ihrer so präsenten Geschichte, mit ihrer Vielfalt, und versuche sie festzuhalten, um ein bisschen von ihr mit nach Hause zu nehmen – im Herzen und auf der Chipkarte.

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Parade-Beispiel

Juli ist Pride-Season. Da hatte ich beschlossen, der Main-Metropole dieses Jahr mal wieder einen Tagesausflug abzustatten. Zu erleben gab es eine Mischung aus Demo, Faschingsumzug, Volksfest und einer surrealen Welt, in der offen hetero lebende Pärchen plötzlich ein wenig exotisch erscheinen. Einmal Vielfalt zum Eintauchen, Durchschwimmen, Aushalten, Bestaunen, Feiern und Genießen – for basically anybody – whether you’re gaysexual, straightsexual, bisexual, trisexual, supersexual, oversexual, undersexual, whatever.

Ich und meine Kamera lieben das Bunt der Parade, wir waren schon das dritte Mal gemeinsam da um die knalligen Farben einzufangen, das, was sonst so oft unsichtbar bleibt. Mich berührt die Fröhlichkeit, die die Parade durchzieht – eine Fröhlichkeit, die es hier nicht immer gab und die es anderswo noch immer nicht gibt. Ich bin sehr dankbar, sie in Freiheit genießen zu können. Die grünen PR-Texter haben es auf den Punkt gebracht: CSD statt AfD!

Dafür wünsche ich mir eine All-Year-Pride-Season.

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Hang Loose Food

(English speaking vegetarians travelling to Huanchaco see below)

Es ist gar nicht so leicht, sich in Peru als Vegetarier durchzuschlagen, selbst in einem touristischen Surfer Hot Spot wie Huanchaco. Zumal vegetarisch in unserem Sinne ja auch ohne Hühnchen bedeutet, was den ungläubigen Blicken zufolge nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint.
Eine Zeit lang haben wir uns mit Omelette oder etwas lieblos zusammengestellten Beilagentellern begnügt, bis wir uns schließlich auf die Suche nach auf westliche Essegewohnheiten spezialisierte Restaurants gemacht haben. Eine vielversprechende Aufschrift »Vegan organic food« vor einem Restaurant an der Strandpromenade entpuppte sich leider als Lügen-Schild.

Durch unsere mit viel Insider-Wissen ausgestattete Begleitung durften wir dann schließlich Miguel kennen lernen. Miguel ist der Koch eines kleinen, urigen Cafés in einer der Straßen in zweiter Reihe, in dem zugleich – oder auch primär – ein Hostel und eine Surfschule untergebracht sind, das Un Lugar Café. Sitzen kann man nur draußen in einem gemütlichen, dem Dschungel nachempfundenen Innenhof. An der einen Seite aufgereihte Surf-Bretter, gegenüber ein Käfig mit zwei Bilderbuch-Papageien. Die Sonne wird durch Netze und Holzkonstruktionen gedämpft, Sofas, Bänke, Tische mit Ambiente versprühen haufenweise ein Hang-Loose-Feeling, dem man sich nur schwer entziehen kann. Neben einem Sofa-Arrangement befindet sich die Küche, vom Rest des Hofes durch eine Theke getrennt. Ob Miguels Reich durch eine solide Dach-Konstruktion bedeckt ist, kann ich gar nicht mehr so genau sagen.

Best cook in town in his kitchen

Die Küche des Un Lugar Surf Camps bietet – für Peru sehr typisch – »Menü« an, d.h. das Tagesgericht, dazu eine Vorspeise (oftmals Suppe) und ein Getränk (oftmals extrem süß). Das Ganze für 7 Soles, umgerechnet ca. 1,75 €. Mehr als das steht nicht auf der Karte, dafür bietet eine Kühltheke noch eine exquisite Auswahl an Torten und Küchlein.
Wir bekamen schließlich auf vorsichtige Nachfrage ein vegetarisches Menü kreiert: Salat statt Suppe (frisch angemachtes Dressing gibt’s in einem Becher dazu gestellt) und eine super leckere Gemüse-Pfanne mit Reis. Zum Nachtisch haben wir uns dann noch ein bisschen Apfeltarte gegönnt. Insgesamt ein Gaumenschmaus in vegetarisch, vegan und glutenfrei – jedoch ohne, dass dies auf einschlägigen Websites als solches beworben würde.

Wer ein paar Tage durch Huanchaco streift, sollte sich einen Mittag im kleinen Un Lugar Paradies auf keinen Fall entgehen lassen (abends leider geschlossen, soweit wir das mit den Öffnungszeiten verstanden haben)!

The best place to have lunch in Huanchaco definitely is the »Un Lugar Café/Surf Camp«. An unsuspicious door in the middle of Jiron Francisco Bolognesi is the entrance to a little hang loose paradise with surfboards, parrots, wooden constructions and smooth shade – a little courtyard where food and drinks are served. Kitchen chef Miguel cooks the menu of the day, and if you ask nicely, you will get the most delicious vegetarian food in town (plus gorgeous chocolate cakes). The guys working there are very kind, and they speak some English (which was very helpful). Highly recommend for a relaxed lunch and afternoon in Huanchaco!

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Traumpass

Eigentlich spielt mein Reisepass eine recht untergeordnete Rolle in meinem Leben. Ich brauche ihn nur, wenn ich die Europäische Union verlasse, und das tue ich nicht sonderlich oft. Doch die Momente, in denen ich ihn in der Schlange vor einer Passkontrolle in den Händen halte, fühlen sich stets sehr bedeutungsschwer an.

Ich besitze etwas, das Milliarden Menschen auf der Welt nicht haben und viele von ihnen gerne hätten. Viele würden dafür vielleicht viel Geld bezahlen, andere zahlen mit ihrem Leben. Ich habe ihn einfach so, meinen deutschen Pass, ohne etwas dafür zu tun und er räumt mit gegenüber vielen den vielen Milliarden Menschen viele Privilegien ein.

Mit meinem Pass darf ich zu jeder Zeit in unser kleines, wohlhabendes Land einreisen und so lange bleiben wie ich möchte. Zugegeben, das hat nicht nur Vorteile. Dafür muss ich auch Müll trennen, den Bürgersteig vor dem Haus sauber halten, zum Fahrspurwechsel blinken und nicht zuletzt an der deutschen Erfindung des Weltschmerzes teilhaben, den so viele von uns allerorten in ihr Leben verspüren und in unsere kleine wohlhabende Welt versprühen. Daneben kann ich jedoch – und das ist weitaus gewichtiger – mein Leben in vergleichsweise zuverlässiger Ruhe und Sicherheit führen. Und arbeiten darf ich hier auch.

Meine Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum haben der Theorie nach die gleichen Möglichkeiten. Meine Privilegien teile ich formal demnach mit geschätzt 525 Millionen Menschen. Für ungefähr nochmal so viele Menschen aus »bestimmten Staaten« besteht zumindest noch eine relativ große Offenheit, dass sie mit uns leben und arbeiten dürfen, sofern sie das denn möchten. Aber das tun sie oft nicht, da es ihnen vielleicht ähnlich gut geht wie uns.

Bleibt der Rest, ca. 85% der Menschheit, der in sogenannten Drittstaaten, nicht aber bestimmten Staaten lebt, und wer unter ihnen nicht gerade hochqualifiziert in einem Gebiet ist, in dem uns die eigenen Spezialisten ausgehen, der kommt aus seinem Drittstaatenstatus nicht so leicht raus – bzw. in unser Land nicht so leicht rein.

Manche Menschen meinen ja, es seien schon viel zu viele von ihnen drin. Das wiederum liegt wohl daran, dass dieser Rest der Welt nur grob die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung erzielt. Ich kann mir vorstellen, es wollten gar nicht mehr so viele hier her, wenn unser Anteil am Bruttoweltprodukt nur ein ganz keiner wäre und sich Wohlstand und Sicherheit irgendwo anders auf der Welt niederließen.

Dann hätte wahrscheinlich auch mein Reisepass einen großen Teil seiner Aura verloren, nämlich der Teil, der mich immer mal wieder – sofern ich mich aufmache, unsere europäische Festung zu verlassen – spüren lässt, wie weit nach oben mich das Leben ohne mein Zutun gespült hat.

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