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Im Bett mit Otto Friedrich

Eine Zeit lang ist Otto Friedrich mir ständig über den Weg gelaufen und hat mir das Leben erklärt. Warum meine WG mit dem Vermieter im Clinch war, warum wir in der Küche nicht kochten, warum ich meinen Schreibtisch nicht teilen wollte. Vor einiger Zeit erklärte er mir, warum ich nicht schlafen konnte. Ich halte ihn für einen Life Scientist. Nicht, weil er mir die Biochemie der Vorgänge in meinem Hirn darlegte, die mir den Schlaf raubten, sondern weil er mir erklärte, was in meiner Seele passierte.

Otto Friedrich Bollow hat ein ziemlich abgedrehtes Buch geschrieben (hier Kapitel: Der bergende Raum) .* Zu Beginn stellt er die Frage, wo sich die Mitte des Raumes befindet, in dem man lebt. Das von Menschen gebaute Haus sieht er als einen Raum, der Sicherheit und Geborgenheit ermöglicht, doch wo ist die Mitte dieses erlebten Raumes? Recht einfach, dachte ich mir. In meinem Zimmer mein ständiges Gegenüber, mein Tor zur Welt, Quelle von Musik, Ort kreativen Schaffens – mein Computer. Nur, dass sich zu Otto Friedrichs Zeiten noch kein Leben um ein elektronisches Gerät oder eine über die ganze Welt verteilte virtuelle Gemeinschaft drehte.

Bollnow blickt zurück und identifiziert in der antiken Welt den Herd als eine gemeinsame Mitte des Hauses, ein entflammbarer versteht sich. Dieser hat jedoch seine sakrale Bedeutung verloren in Zeiten, in denen Lebensmittel nicht mehr mithilfe von Feuer, sondern einem elektromagnetischen Feld zubereitet werden und sich dieser hochentwickelte Herd nicht mehr in der physischen Mitte des Hauses befindet, sondern gar in eine »Arbeitsküche« abgeschoben sein mag. Daraus entwickelte sich jedoch eine neue Mitte, der Esstisch, an dem sich die Familie regelmäßig versammelt. Doch auch diese Mitte hat mit der fortschreitenden Individualisierung ihre Bedeutung verloren. Es stellt sich also wiederum die Frage, wo »für den einzelnen Menschen innerhalb des Hauses diese bestimmende Mitte zu suchen sei«.

Bollnows Antwort erscheint erstmal seltsam: im Bett. Er spricht dem Bett eine notwendige Lebensfunktion zu, indem es einen Raum des Friedens und unendlicher Geborgenheit schafft, in dem der Mensch sich fallen lassen und schlafen kann. Schlafen kann der Mensch zwar überall, doch den »wahren, erlösenden Schlaf« findet er nur in der Geborgenheit des Bett, wo er sich der Welt nicht mehr mit wacher Aufmerksamkeit entgegenstellen muss. Woanders ist das Schlafen nur ein »jähes Abbrechen der Aufmerksamkeit«.

"...and please make the bed special." - "Special Bed" in El Abiodh (Photo credit: E. Nijdam)

“…and please make the bed special.” – Special Bed in El Abiodh (Photo credit: E. Nijdam)

 

Mein »bergender Raum« scheint ein sehr empfindlich zu sein. Es kann mir sehr schwer fallen zu schlafen, wenn ein Mensch, den ich nicht gut kenne, neben mir liegt – vielleicht bricht dann nur zu einem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit jäh ab. Es braucht Zeit, Begegnung und Zuneigung, um diesen Menschen Teil dieser unendlichen Geborgenheit werden zu lassen – und mitunter kann dann die Geborgenheit sogar noch ein kleines Stück unendlicher werden. Ich glaube, man kann kaum etwas Intimeres mit jemandem teilen als den Schlaf. Intimer als miteinander zu schlafen kann es sein, nebeneinander zu schlafen. Denn schlafen kann nicht der Körper allein. In der Geborgenheit des Bettes – und vielleicht eines mich umschließendes Armes – ruht die Seele.

*Wen wundert’s, bei der Karriere – Mathe- und Physikstudium (u.a. bei Nils Bohr), Lehrer an der Odenwaldschule, Professur für Psychologie und Pädagogik in Gießen, später Philosophie in Tübingen.
Bollow (2004): Mensch und Raum. Stuttgart/Kohlhammer.

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Zündelmännchen

Ich bin im Zeltlager unser Zündelmännchen. Eine Begegnung mit Ur-Instinkten. Und Geschlechterrollenbildern.

Ich kann Stunden am Langerfeuer sitzen und einfach nur in die lebendinge Glut schauen, mal voller Romantik, mal voller Melancholie.

Und irgendeine Emotion aus früheren Jahrtausden bricht immer hervor, wenn das Feuer anfängt zu brennen, nachdem man den ganzen Tag im Wald rumgestiefelt ist, trockenes Holz suchte, schleppte, sägte, hackte… leider war ich mit meinem Fireflash noch nicht erfolgreich, aber ein paar Chancen habe ich noch…

In den Gesichter der Kinder konnte man eine gewisse Verunsicherung über die Aufgabenverteilung im Lager ablesen. Die Jungs kümmern sich um Küche und Kinder und eine Frau hackt Holz. Zündelmännchen mit gesellschaftlicher Zielsetzung.

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Round and round

Gestern wurde der bestandenen Prüfung zu Ehre meine kleine private Fachbuchsammlung um eine DVD erweitert die einem “Haushalts- und Dienstleistungs-Scientist einfach nicht fehlen darf” (the gift giver). Was soll man dazu sagen? 😀 Vielleicht

I know you think you’re being generous, but the foundation of gift-giving is reciprocity. bortaS bIr jablu’DI’ reH QaQqu’ nay’! (Sheldon Cooper, PhD)

At least no one will ever be able to ruin laundry night! 😀

Mein Blog wird zur Ehre der erfolreichen Verteidigung (oss!) um eine Kategorie reicher!

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