Category Archives: TeXnisches

Hurenkind und La Traviata

Ich habe gerade mein “Mythologie-Buch” fertig gelesen – es geht um den Mythos von der Chancengleicht und wie der Habitus die beruflich und soziale Laufbahn bestimmt. Das Buch hat ein sehr angenehm zu lesendes Schriftbild, deshalb wollte ich dem Textsatz auf den ersten Seiten schon ein Lob aussprechen, bis ich weiterblätterte und reihenweise auf Hurenkinder – heute sollte man wohl den Begriff Witwen verwenden – stieß.

Hurenkind, besonders Augenfällig.

Zur Vermeidung: in LaTeX
\clubpenalty = 10000
\widowpenalty = 10000
\displaywidowpenalty = 10000
In dem Fall: Absatz umformulieren!

Etwas weiter im Buch wurden Bourdieus Ausführungen über den “populären Geschmack” zitiert.

Der popläre Geschmack wird nach Bourdieu repräsentiert durch eine Auswahl von Werken der sogenannten “leichten” oder aber durch Verbreitung entwerteten “ersten” Musik wie “Schöne blaue Donau”, “La Traviata”, die “Arlésiennesuite”, nicht zuletzt aber durch Schlager fern jedes künstlerischen Anspruchs […]. […] Bei Lehrern und Kulturvermittlern kommt [der populäre Geschmack] daher sehr selten vor.

Verdi würde sich doch im Grab umdrehen! Nur weil Villazon und Netrebko das bei Wetten, dass…? gesungen haben, muss man La Traviata doch nicht gleich die Ferne zur Kulturvermittlung unterstellen. Was wäre, wenn man Flotow’s Alessandro Stradella da aufgeführt und diese Oper es zu Weltruhm gebracht hätte? Welchem Geschmack hätte Bourdieu dieses Carnevalsstück zugeorndet?
Bon, aber ansonsten hinterlässt Bourdieu ja doch ein beachtliches Lebenswerk…

[Kunze K. T.: Der Mythos von der Chancengleichheit. München, 2008. S. 53.]

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En travesti

Die letzte Hausarbeit meines Studiums. Die spannenste! Ein Kunstwerk in Wort und LaTeX!

Doch wer findet meine beiden höchst unwissenschaftlichen Zitate? Ich habe mir beim Kaschieren jedenfalls große Mühe gegeben die Quelle nach allen Regeln der Kunst anzugeben, was bei einem Prof. K. F. Boerne gar nicht so einfach ist!

Doing Gender – Soziale Konstruktion von Geschlecht

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And what is your major malfunction?

The brain works in mysterious ways. When we see parts of a familiar figure, we can recognize it and see the whole of it because the brain will complete the missing parts. Happens all the time.

Now I just listened to one of the pieces of music that have touched and moved me the most, one of my very favorites – Voi che sapete from Mozart’s Le nozze di Figaro. Karaoke version, no vocals, just orchestra. And there it is – there is a voice singing in my head and I start listening to something that is physically not existing. Fein!

And writing this post in English I come about another another mystery: Normally, I use a German typeset on my keyboard – of course! – having QWERTZ and YXCVB. Fine with that. But as soon as I start writing in English, I need to change. Writing in English, I need QWERTY and ZXCVB. And be it just one sentence in a German text. I don’t get it. It started in the Taize Email room, there we had a QWERTY keyboard and one day a got sick of writing all German email with umlaut so I used German typeset for German and English for English. I guess none of you suffers from similar problems (yeah, big suffering…), but with Alt+Shift it’s just part of a second to the solution.

French keyboard sucks though.

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Umdenken

Ich befand mich ja nun schon öfter in der Situation, auf eine Art mit elektronischen Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet zu sein, die ich als inadequat bezeichnen würde. Das Comuter- und Internetfreie Jahr in Taizé sei hierbei mal außer Acht gelassen. Da fing es an mit dem Boardstein im schönen Grenoble, auf dem ich verzweifelte Emails in die Heimat schickte, später dann dicht gefolgt vom täglichen Besuch des Place de Victor Hugo, wo ich mir im öffentlichen Grenoble-Wifi das heute-journal runterlied. Manche Menschen mögen Verschwörungstheorien über WLAN-Kabel aufstellen, ich lernte doch das Überall-Internet zu schätzen. Auch die darauffolgenden Sommer zog ich mit meinem Rechner durch die Straßen beschaulicher Dörfer auf der Suche nach dem etwas Heilbringendem in der Luft. Und immer diese Frage im Kopf, wenn ich unterwegs war – wo kriege ich jetzt Internet her? (Jaja, die Modernisierung und so, ich würde sagen Verselbstständigung vs. zunehmende Abhängigkeit mit dem Problem der Integration.)

Konditioniert auf die Lösung dieser Frage, steht natürlich alles gerade Kopf. Dem Gedanke “ah, ich geh noch mal zur Uni, da empfange ich ja ein Netz” folgt jedes Mal “dass Problem ist das Empfangsgerät….”. Hach, wie schön ist es doch, einfach die eigene Aktentaschen, in der so viel von einem Selbst steckt, zu durchwühlen, zu füllen, zu bearbeiten, zu sortieren. Es wurde ja viel darüber geschrieben, wie man in der Art, wie ein Mensch wohnt, etwas über ihn erfahren kann. Das gilt in gewisser Weise doch auch für Computer, wobei hier die Frage lautet: Wie viel Veränderung nimmt der User an den Default Settings vor, und vor allem welche. Aber vielleicht sollte man das auch gar nicht weiter untersuchen, jedenfalls nicht an meinem Computer… Und wenn ich ihn jetzt hätte, dann würde ich mir auch bestimmt über sowas keine Gedanken machen!!

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IP-Interessen-Konflikt

Wie wir alle wissen, ist Google sehr böse. Google sammelt Daten über seine Nutzer, wahrscheinlich mehr, als der gemeine Googler weiß. Aber das ist nicht so wie mit der Briefmarken- oder Happy-Hippo-Sammlung, der manch einer vielleicht mal in jungen Jahren angelegt hat, und derer er sich dann entledigte, als die Sammlung im Freundeskreis einfach nicht mehr als cool galt. Google speichert ja für die Ewigkeit, so wird gemunkelt.
Der internetbewusste Waldianer surft indessen mit Forestle oder ähnlichen Bio-Suchmaschinen, natürlich mit der @bio-mail.de-Adresse. Ob der Waldianer weiß, dass Forestle von Yahoo! bedient wird? Ich möchte niemandem zu nahe treten…. und dann ist da noch Google Street View, die Überwachungsmaschinerie des 21. Jahrhunderts. Sollte George Orwell doch Recht behalten?

Die meisten, die sich über das Big-Brother-Dasein, welches das Internet eben so mitbringt, so aufregen, haben sicherlich nur den Hauch einer Ahnung, was Unternehmen, die ein Interesse daran haben, Informationen zu sammeln, imstande sind zu leisten. Und je besser sie ihre Zielgruppe kennen, desto klarer ist das Bild, was sie von ihnen zeichnen können. Und der gemeine Internetnutzer kann sich dem nur schwer entziehen, denn er hinlässt überall Spuren, auch wenn das eigentlich gar nicht will.

Sitemeter ist ein Dienst, der diese Spuren für eine Weile aufbereitet, kostenlos natürlich nur auf einfachstem Niveau. Vor ein paar Jahren konnte ich sehen, zu welchem Zeitpunkt ein Bruder aus Taizé meine Homepage besucht hat. Oder eine Schwester aus Ameugny. Zwar konnte der Besuch keiner bestimmten Person zugeorndet werden, dennoch überrascht die mich die Genauigkeit der Information, welche die IP-Adresse korreliert mit einem persönlichen Kontakt offenbarte.

Solche Treffer sind zwar selten, doch kürzlich hatte ich wieder einen. Ein Angehöriger der Universität besuchte den Blog. Student oder Mitarbeiter ist nicht auszumachen, wobei der genutze Rechner vermutlich nicht nur im privaten Umfeld verwendet wird, da darauf ein Windows NT läuft, also keine Home Version, wie sie Studenten oft verwenden. Aber in Zeiten der Studenten-Angebote im Microsoft-Shop ist das nur sehr vage. Der Nutzer war wohl mit einem VPN-Client unterwegs, da der Hit sonntags um 22:00 erfolgte, ein Zeitpunkt, an dem kein Student in der UB oder Mitarbeiter im Büro sitzen sollte. Außerdem scheint der Nutzer keine ausgeprägte Liebe zu Fußball zu besitzen – der Hit erfolgte in der letzten Viertelstunde des ersten Deutschland-Spiels bei der WM. Zwar war das Spiel schon entschieden, aber wer liest sich in der Schlussphase des Spiels in 7 Minuten und 10 Sekunden durch die ersten 6 Seiten des Blogs? Mit einem Firefox. Und die viel wichtigere Frage (wie sie sich vielleicht ein Marketing-Experte stellen würde): Was stand auf Seite 6, dass er nicht weitergelesen hat?

Nun, lieber Besucher Nr. 2.081 meines Blogs (seit Einfügen des Sitemeter-Links rechts), mehr weiß ich über dich nicht. Aber dennoch ist das doch schon erschreckend viel. Da wundert es mich ehrlich gesagt nicht, dass Facebook weiß, ob ich gerade zuhause bin oder nicht.

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TeXnische und optische Neuigkeiten

Wie zu sehen ist, habe ich einen neuen Header gebastelt – ob er besser ist als der alte weiß ich nicht, aber darum geht es ja auch nicht.

Erfreuliche Unwichtigkeit nebenbei: Der Schratiblog-Schriftzug erscheint nun in Palatino, einer französischen Renaissance-Antiqua mit Serifen, Strichkontrast und dynamischen Formprinzip. Ich nehme sie meist, um meine LaTeX-Hausarbeiten zu setzen, da die Standard-TeX-Schriftart Computer Modern, eine klassizistische Antiqua, für meine Augen etwas zu viel Kontrast hat und das Lesen somit etwas anstregender ist als mit der Palatino. Außerdem braucht die Palatino weniger Platz und ich reize die gesetzten Seitengrenzen ja meist so weit wie möglich aus.
Ein-/ausstellen lässt sich die Palatino mit dem Mathpazo-Package: \usepackage[osf]{mathpazo}
Das OSF bewirkt Old Style Figures, also Mediävalziffern, die sind bei der Computer Modern auch möglich, aber (meines Wissens nach) sehr viel umständlicher. Und ich finde sie einfach schön.
Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres als unästhetische Bücher! Gerade, wenn man sich mit ohnehin trockenem Stoff beschäftigen muss, ist ein Textsatz, der einem vornerein die Lust am Lesen nimmt, einfach tötlich. Nur leider finden sich in unserer Bib nur allzu viele Exemplare davon…

Als TTF kann man die Palatino-Familie hier finden.

Und noch eine kleine Neuerung: Die Seite ist nun auch über www.schrati.net erreichbar.

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Adaption

Ich habe beim Schreiben meiner Bachelor-Arbeit was seltsames beoachtet:

Ich habe in meinem LaTeX-Dokument die vorgegebenen Seiteränder eingestellt, welche recht asymmetrisch sind: oben und unten ungefähr gleich, 1,5 cm, rechts 2 cm und links ganze 4 cm (!!). Als ich das erste Mal kompillierte und mir das PDF betrachtete, dachte ich mir: hm, sieht komisch aus, aber bitte, wird schon seinen Sinn haben. Dann schreib ich und schreib, und kompillierte und kompillierte, bestimmt 487 mal, mindestens. Gegen Ende schaute ich etwas in einer anderen Hausarbeit nach, die ich mit symmetrischen Rändern gesetzt hatte. Und mein erster Gedanke: Wie unsymmetrisch! Nach tausendfachem Betrachten meiner Bachelorarbeit bin ich wirklich der Meinung, ein Rand von links 4 und rechts 2 cm ist absolut symmetrisch. Und ich dachte immer, die Nase sei das Organ, das am besten adaptieren kann, aber da ist meine wahrscheinlich einfach überfordert mit…

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