Frühlingsgefühle

Als unser peruanisches Familienmitglied im Dezember nach Deutschland kam, fragte er noch auf der Autofahrt vom Flughafen nach Hause, warum die Bäume bei uns keine Blätter hätten. Wir baten ihn, sich noch drei Monate zu gedulden. Jetzt ist er völlig fasziniert vom Blühen der Bäume, das die Landschaft seit einigen Wochen wieder zu buntem Leben erweckt.

So viel es im Sommer auch zu schwitzen und im Winter zu frieren gibt, so dankbar bin ich, immer wieder den Kreislauf der Jahreszeiten erleben zu dürfen, jede mit ihren ganz eigenen Farben, Düften und Stimmungen. Das Immergrün hat sicher seinen ganz eigenen Reiz, aber fehlt im nicht der Anfang? Der Frühling riecht nach Leben, nach Aufbruch, Neuanfang, nach Hoffnung – ohne ihne wäre alles sinnlos.

Frühling

 

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Filed under Gratitude Journal, Naturschrat

Adoptiv-Olive

Ich lasse mich ja nur äußerst selten und ungern von Werbe-Click-Bannern verführen, aber dieses Mal bin ich schwach geworden und habe zum ersten Mal die Empfehlung einer Sociel-Media-Plattform tatsächlich gekauft. Etwas Besonderes, vielleicht auch etwas besonders Spezielles: Ich habe einen Olivenbaum adoptiert. Richtig – irgendwo auf einer spanischen mediterranen Olivenplantage steht jetzt ein Baum, der ein Schild mit dem Namen “Elias”, dem jüngstgeborenen unserer Familie, erhalten wird. Ich bekomme ein Foto, ein Besuchsrecht und – das war der vorrangige Grund meiner Adoption – zum Ende des Jahres 8 Liter Ölivenöl. Das Öl wird nicht ausschließlich von meinem Baum stammen, aber diesen Umstand habe ich mit Sinn und Wehmut akzeptiert. Der Farmer bekommt dafür knapp 90 € für den Unterhalt des Baumes, Ernte und Verarbeitung, Verpackung und Versand. Anbau auf Bestellung, inklusive einem gutem Gefühl.

Außer Olivenbäumen kann auf unter anderem auch Kaffeeplantagen adoptieren (gerade ausverkauft), ein Merino-Schaf oder einen Orangenbaum. Leider wusste ich mit 25 kg Orangen auf einmal nicht so viel anzufangen, deshalb habe ich mich für die Oliven entschieden.

Adoptionsvermittler ist das spanische Unternehmen crowdfarming.com, welches sich für nachhaltige und faire Produktionsbedingungen einsetzt und die Website zum Grow-on-demand betreibt. Ziel sind transparente Lieferketten, Lebensmittel direkt von Erzeugner, nachhaltige Produktion, vorzusgweise nach Bio-Richtlinien. Die Bestellung vor der Produktion soll zum Beispiel zur Reduzierung von Nahrungsmittelüberflüssen beitragen. Das finde ich grundsätzlich eine gute Idee, kann mir allerdings nicht vorstellen, dass man meinen Baum Elias für dieses Jahr aus der Produktion genommen hätte, wenn ich dem Farmer die Ernte nicht im Vorfeld abgekauft hätte.

Gut fühlt sich meine Adoption trotzdem an – und ich hoffe, dass es Weihnachten dann auch genauso gut schmeckt.

Auch Orangenbäume werden in Spanien zur Adoption angeboten.

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Unbequeme Worte

Anfang des Jahres war ich angetan von der Idee, einmal Worten, die man gerne öfter hören würde, etwas mehr bloggerische Aufmerksamkeit zu schenken. Die letzten Wochen brachten mich dann ein wenig in einen Zwiespalt: In den Medien sind Worte präsent, die versuchen Unbeschreibliches zu beschreiben, nämlich den sexuellen Missbrauch an Kindern, der gerade im Gewand der katholischen Kirche in die Öffentlichkeit tritt. Es sind Worte, die weh tun, die aber viel öfter gehört werden müssten.

Meine Wochenzeitung berichtet seit Monaten zuverlässig über neue Erkenntnisse, Debatten, Studien, Gerichtsprozesse und Entwicklungen im sogenannten Missbrauchsskandal der katholischen Kirche – eine schier unversiegbare Quelle an Grausamkeiten und Heucheleien. Das Ganze gipfelte letztes Wochenende in einem Gipfel, an dessen Ende eine Rede des Papstes stand, die den katastrophalen Umgang der Kirche mit dem Missbrauch eklatant wiederspiegelte. Das möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr vertiefen. Bodo Wartke fasst es so wunderbar zusammen:

Wenn ich ein Gott wär von irgendeiner traditionsreichen populären Weltreligion, dann hätt‘ ich was zu sagen:
wenn von selbsternannten Dienern Gottes auf Erden
Kinder missbraucht und mishandelt werden,
dann geschieht das ganz gewiß nicht in meinem Namen!

Damals – 2010, als die erste Enthüllungswelle katholischer Verbrechen losgetreten wurde – wie heute habe ich die Berichterstattung förmlich in mich aufgesogen, auch wenn ich diese Kirche kopfschüttelnd, aber bequem von außen betrachten darf. Was mich bewegt, ist die Tatsache, dass diese Worte es überhaupt in die breite Öffentlichkeit geschafft haben. Denn Worte lassen Realitäten entstehen.
Sexueller Missbrauch scheint mir einen Rahmen zu benötigen, um in das öffentliche Bewusstsein zu gelangen. Diesen Rahmen bietet die moralisch hoch aufgeladene, weltumspannende Kirche auf besondere Weise: Sie bietet ein ganzes Tätersystem mit der größtmöglichen Divergenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, mit äußerst wirksamen Vertuschungsmechanismen und einer kaum zu beziffernden Zahl an Betroffenen, Survivors.
Vielleicht bietet dieser Rahmen, der so greifbar ist, irgendwann auch einen Spalt, um diejenigen in ein öffentliches Bewusstsein zu holen, an denen ähnliche Verbrechen außerhalb dieses oder eines anderen Systems verübt wurden. Um den sexuellen Missbrauch aus seinem finsteren Tabu-Versteck zu zwingen und Räume zum Sprechen zu bieten.

Noch wichtiger wäre jedoch, den Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es Missbrauch gibt, sei er sexueller oder anderer Art, dass er manchmal wie eine Normalität daher kommt, von Vertrauten und Nahestehenden, und dass vor allem eines ist: ein Verbrechen.

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Filed under #TalkPeace, § 176

Sätze statt Vorsätze

Mit ein paar Tagen Verspätung ein kleiner Neujahrsgruß – das neue Jahr soll schließlich auch erstmal in Ruhe ankommen können, bevor es gleich mit Erwartungen überfrachtet wird.

Den Silvesterabend verbrachten wir im Theater. Anstatt uns an Vorsätzen für das neue Jahr abzuarbeiten, ließen wir liebevoll rezitierte Sätze auf uns wirken, die wir im neuen Jahr gerne öfter hören würde. Neben Bekundungen von Wohlwollen, Anerkennung und Liebe stehen meine beiden absoluten Favoriten:

Alice Weidel arbeitet eigentlich für Jan Böhmermann.

Donald Trump ist Jan Böhmermann.

Vielleicht ist das ein guter Zeitpunkt, eine neue Blog-Kategorie zu starten – mit Worten, die wir gerne öfter hören möchten.

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Filed under #TalkPeace, Worte, die wir öfter hören wollen

Über nicht-reziprokes Schenken

Zu Weihnachten sollte ein Eintrag in mein Gratitude Journal nicht fehlen. Ganz klar: Ich bin dieser Jahreszeit für ihre reiche Geschenke-Tradition dankbar!

Zum einen – wenngleich nicht mit oberster Priorität – natürlich über das Beschenkt werden. Wobei man ja bekanntlich nicht alle Geschenke über einen Kamm scheren darf…

Da gibt es – und da hat sicher jeder seine eigene, ganz persönliche Erfahrung – das Fiasko-Geschenk, bei dem sich  vielleicht für die guten Absichten noch ein wenig Dankbarkeit zusammenfühlen lässt.

Da gibt es den Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis oder eine persönliche Dienstleistung, der ein unglaublich wertvolles Angebot, ein Zeit-Geschenk, ausdrückt, dessen Einlösung aber manchmal leider im Sande verläuft.

Da gibt es – als zwischenmenschliches Geschenk leider viel zu oft verkannt – das Teilen von Erfahrungen und Blickwinkeln, aufrichtige Anteilnahme und aufmerksames Zuhören. In der Regel nicht verpackt, aber von unvorstellbar großem Wert!

Da gibt es Dinge, ob man sie braucht oder nicht, die einen für immer an den Schenkenden erinnern und damit weit mehr sind als ein Gegenstand.

Da gibt es Geschenke, deren wahrer Wert nicht in seinem monetären Äquivalent liegt, sondern in einer Botschaft, die den Beschenkten in seinem Sein bejaht.

Die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Es kristallisiert sich jedoch ein Gedanke heraus: Die schönsten Geschenke sind jene, die eine sich vertiefende Verbindung zwischen zwei Menschen spüren lassen – ein Geschenk für beide.

Noch dankbarer bin ich für den viel berührenderen Part der Geschenke-Tradition, nämlich dem Schenken an sich. Auch wenn es immer wieder eine Herausforderung darstellt, den gerade an das perfekte Geschenk formulierten Anspruch zu erfüllen (die sich vertiefende Verbindung), fühle ich mich oft, als säße ich selbst wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, wenn ich für einen lieben Menschen ein perfektes Geschenk gefunden habe, mit einem nicht bezifferbaren immateriellen Wert, Ausdruck von Freundschaft und Liebe. Gebe es die Geschenke-Tradition nicht, dies würde mir am meisten fehlen!

Und wo wir bei immateriellen Werten sind – an dieser Stelle läuft die Theorie, Grundlage des Schenkens sei Reziprozität, in eine Sackgasse. Aber das gemeinsame Amüsement über Dr. Sheldon Coopers Analysen sozialer Konventionen – man überlasse dem anderen kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung, ein Geschenk von ebenso großem Wert zu beschaffen, welches zudem das gleiche Beziehungslevel repräsentiere wie das ursprünglich Geschenkte – das wiederum ist ein Geschenk von unbezifferbarem Wert.

In diesem Sinne wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit einem offenen Auge für all das, womit wir bereits beschenkt sind und mit einem offenen Herzen für die Liebe, die es zu schenken gilt – und das weit über das Weihnachtsfest hinaus.

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Filed under #TalkPeace, Gratitude Journal

Adventsweisheiten

Wir waren am Wochenende im Wohngut Hachborn und haben uns Anregungen zum Weihnachtskartenbasteln geholt. Die Produktion ist gestartet.

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Auf die Augen, auf die Ohren

Kurze Pause im hektischen Adventsalltag für einen schnellen Gratitude-Check:

Ich bin dankbar für das Kerzenlicht! Zwar gibt es auch hier immer mehr LED-Imitate, doch das Feuer behauptet sich auf dem Markt immer noch tapfer. Die Glühbirne hingegen musste in Sachen Weihnachtsbeleuchtung in den letzten Jahren nahezu vollständig das Feld bzw. den Baum räumen. Für das Klima und die Menschheit eine wichtige Entwicklung, aber so ganz ist die Glühlampe doch nicht zu imitieren. Da müssen an den Feiertagen dann vermutlich doch wieder die Kerzen ran. Der Rest des Hauses erleuchtet aber trotzdem in LED-Warmweiß, man muss ja auch mit der Zeit gehen.

Auf die Augen, auf die Ohren

Und ich bin dankbar für meine kleinen Ohrenwärmer, die ich in diesem Winter mit Herzmotiv trage. Ein bisschen mehr Liebe in der Welt kann schließlich nicht schaden.

In diesem Sinne: eine friedliche Adventszeit!

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