Bloggen

Bloggen ist nichts anderes, als auf ein weißes Blatt Papier zu schreiben. Mancher schwört auf „Moleskine“ Notizbücher zum Schreiben, mancher auf „College“ – Blöcke, mancher auf lose, weiße Blätter; einige behaupten, nur mit einem Füller, andere, nur mit einem Kugelschreiber oder Bleistift schreiben zu können. Auf das Geschriebene haben die Werkzeuge keinen Einfluß. Auch ein Blog ist erst mal ein leeres Blatt. Wenn ich möchte, auch ein buntes Blatt Papier. Aus vorgefertigten Vorlagen kann ich einen einfachen, feierlichen, bunten oder ästhetisch fragwürdigen Rahmen schaffen. Aber das leere Blatt muss ich — um es zum Leben zu erwecken — selbst füllen, mit meinen eigenen Worten. Wie auf dem Blatt Papier können die Worte ungeheure Kraft entwickeln, aber auch ganz profan und langweilig werden.

Der Witz, die Crux beim Bloggen ist aber, daß der Text, sobald ich ihn fertig habe, potentiell von mehreren Millionen Menschen gelesen werden kann. Ich muss nicht in den Kopierladen gehen, oder den Drucker heißlaufen lassen, um meine Ergüsse zu vervielfältigen; ich muß sie nicht verschicken, im Gegenteil, der Text ist einfach, quasi für alle, da: *plopp*.

Früher, als sowas noch „Homepage“ oder „Webpräsenz“ hieß, konnte man auch einen Text — plopp — irgendwo hinstellen. Ein paar Suchmaschinen schickten einem ab und zu mal ein, zwei Leser vorbei, aber meist schimmelten die Seiten und Texte neben Ankündigungen („hier entsteht demnächst die Webpräsens von Otto Mustermann“) nur so vor sich hin.

Beim Bloggen ist das anders. Durch eine Prise Magie und allerlei technischen Firlefanz (Pingserver, Trackbacks, Referrertracking, Tagging, Aggregatoren, Kommentarfunktionen, Linkdumps) legt die Blogmaschine allerlei Spuren nach hier und da, von hü nach hott, von dort zu mir, von denen, auf die ich mich bezog oder die ich zitierte oder linkte, zurück zu mir. In dem Moment in dem ich schreibe lege ich einer Krake gleich Spuren, trete in ein Geflecht aus Beziehungen und Referenzen ein, werde Teil der sogenannten „Blogosphäre“. Das hört sich pathetisch an, ist es auch ein bißchen, aber es hat eine gewisse Magie. Denn durch den technischen Firlefanz finden meine Texte ihre Leser von alleine. Nicht sofort, von heute auf morgen; aber wenn ich regelmässig schreibe ist es unausweichlich, daß sich ein ständig wachsender Leserstamm bildet.

Jeder der das macht, jeder der mal mit dem Bloggen anfängt, erliegt dieser Magie, verhedert sich in dem Beziehungsgeflecht aus Lesern, Kommentaren, Links von anderen Weblogs oder Autoren das sich bildet. Das Beziehungsgeflecht, das sich um mehr oder weniger jedes Weblog bildet, sagt freilich noch nichts über die Qualität des Geschriebenen aus. Eine Frage, die überflüssigerweise neben der Infragestellung von „Relevanz“ von Weblogs immer wieder auftaucht. Denn jede Perle findet in der Blogosphäre ihre Sau. Oder anders ausgedrückt: es gibt nicht eine Blogosphäre, sondern sehr viele. Manche Sphären bilden sich aus drei, vier Menschen um ein Weblog, manche überschneiden sich, manche sind gefüllt mit tausenden von Menschen, die sich gegenseitig lesen, sich aufeinander beziehen oder sich gegeneinander inspirieren oder dissen. Gemeinsam haben alle Sphären, daß sie ständig wachsen. Ein Kommunikationsraum mit vielen parallel verlaufenden Gesprächen.

Die Frage nach der Relevanz oder den Folgen von Weblogs auf die „Medien“ ist genauso überflüssig wie die Frage nach der Relevanz eines Opernhauses, einer Kneipe oder eines Marktplatzes.

Große, revolutionäre Gedanken sind auf einem weißen Blatt Papier entstanden, trotzdem muss man weißen oder leeren Blättern keine Relevanz attestieren; Kaffeehäuser hatten einst den Ruf, subversiv zu sein, trotzdem kann man nicht davon ausgehen, daß in jedem Kaffeehaus oder jeder Kneipe kluge oder neue Gedanken entstehen. Nichts desto trotz:

„Bloggen ist wie am Tresen stehen
mit dem besten Kumpel
und die ganze Kneipe
hört zu was es
Neues gibt.“

Das Potenzial und ein Forum für neue, revolutionäre, frische, relevante oder profane Gedanken und Ideen ist da, auch und gerade in Weblogs. Noch nie war es so einfach, einen Gedanken in die Welt zu setzen und zu beobachten wie er sich verbreitet. Man muß nur schreiben (wollen), bzw. bloggen.

Nichts verstanden ?  Dann fangen Sie an zu bloggen !  Oder zumindest Blogs zu lesen.

Quelle: Felix Schwenzel, gefunden beim Tour-Blog.

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