Äquatortaufe

CDG-LIM

Das Internet macht es uns heute leicht, Bilder und Nachrichten aus jedem Winkel der Welt auf unser Smartphone zu holen. Wir können bequem auf dem Sofa mit dem anderen Ende der Welt videotelefonieren, die Entfernung spielt keine Rolle, höchstens die Qualität der Internetverbindung.

Wir haben gelernt die Welt zu vermessen und zu berechnen, aber ich zweifel daran, dass wir wirklich die Fähigkeit besitzen, die Dimension unserer Erde zu begreifen.

Ich habe zum ersten Mal den Äquator überquert, irgendwo über Brasilien, auf der 10.300 km langen Strecke zwischen Paris und Lima, hinweg über Orte, die man nur aus dem Fernsehen kennt. Schon alleine die Vorstellung, in 11,5 km Höhe durch die Troposphäre zu fliegen, ist eigentlich nicht zu begreifen. Was Gott sich wohl dabei dachte, als er uns Flugzeuge bauen ließ?

Wir sind auf einem anderen Kontinent gelandet, jedoch so weit weg von zuhause, es könnte auch ein anderer Planet sein. Zumindest eine ganz andere Welt auf unserem einen Planeten, die wir nun zu erkunden beginnen. Über das Internet immer verbunden mit Zuhause.

 

Advertisements

Leave a comment

Filed under Mein erstes Mal, Peru

Verwandlung

Das Theater ist eine spannende, schräge und anziehende Welt, ein ganz besonderer Mikrokosmos mit seinen eigenen Regeln, seinen eigenen Stimmungen und einem besonderen Schlag Menschen (sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum, nehme ich an). Es ist ein angenehmer Gegenentwurf zu der angespannten Verklemmung, die den Alltag hin und wieder in ein biederes Grau zu tauchen versucht, und zu einem wiederum besonderen Schlag Menschen, der zur Freude zu ungeschickt zu sein scheint. Das Theater, ein Ort, an dem nicht alles ist, wie es zu sein scheint, ein Ort der Verwandlung, an dem man auch im ganz Kleinen immer wieder in eine Rolle schlüpfen darf, ohne dass die Mitmenschen dies sanktionierten.

Die Verwandlung ist einer meiner Lieblingsmomente – ein paar Stille Minuten in der Maske, in der etwas geschieht, was sonst nicht Teil meines Alltags ist – mit Farbe und Handwerkskunst einen äußerlich anderen Charakter formen, mir eine Frau aufs Gesicht malen, oder einen Mann, oder etwas dazwischen, oder nur ein bisschen Blässe, mal schön, mal hässlich, aber immer ein entspannender Moment inmitten dieses mit Spieltrieb durchdrungenen Spielbetriebs.

Leave a comment

Filed under Gratitude Journal, Teatro

Mein Buchladen


Bei meinem vorletzten Umzug war dieser kleine Buchladen mein Nachbar geworden. Die beiden Jungs, die den Laden führen, genossen ab und zu eine Pause an der frischen Luft, man grüßte sich freundlich und schon bald fand ich heraus, dass der Besuch des Ladeninneren noch viel mehr als bloße Freundlichkeiten bereit hielt – mal einen Buchtipp, mal einen Kaffee, mal ein Plausch über dies und das, eine liebevolle Einrichtung und eine schöne Atmosphäre – dazu tüdelt aus den hinteren Büros ein wenig Wiener Walzer und vorne wird beinahe jeder Kunde mit Namen begrüßt. Online-Bestellungen in den bekannten Etablissements wurden schnell überflüssig, und am liebsten hätte ich mir auch die Bücher, die ich für mich selbst kaufte, als Geschenk verpacken lassen, denn das Geschenkepacken wird dort mit liebevoller Kunst betrieben.

Als ich erzählte, dass ich die Stadt nun verlassen würde bekam ich ein Buch über George Sand in die Hand gedrückt, sie sei doch eine unserer Vorkämpferinnen gewesen. Mein betretenes Gefühl über meine Bildungslücke verging bald in Dankbarkeit über die herzliche Aufmerksamkeit mit dem berührenden Ihr-Wir-Unterton.

Seit ich nun nicht mehr regelmäßig am Buchladen vorbeilaufe, bestelle ich wieder online – auf uptodate-giessen.de und gehe die Bücher in einer Mittagspause abholen, um ein wenig der besonderen Atmosphäre des Ladens zu genießen – dafür heute ein Eintrag in das Gratitude-Journal.

 

Leave a comment

Filed under Gratitude Journal, Life in Gießen, LoveForEveryone

Die Macht des Schicksals

Schon vor vielen Jahren wollte von ich mich von Joyce DiDonato zu einem »Gratitude Journal« inspirieren lassen, die in kunstvollen Fotografieren und eloquenten Bildunterschriften Dankbarkeit für viele kleine Details des Lebens ausdrückte. Nun kam dieser Gedanken auf der Suche nach einem Fasten-Motiv bei mir wieder auf, wenngleich ich mich nicht unbedingt auf eine zeitliche Beschränkung einlassen möchte.

Mit Dankbarkeit erfüllt mich diese Woche die Macht des Schicksals, der zweifelsfrei ein göttlicher Hauch innewohnt.

Die Macht, sie wird geführt von einem großen Mann in einem schmächtigen Körper, der die vielen einzelnen Transformationsprozesse vor und neben sich bündelt, die Transformation von toter Tinte zu kraftvoller Energie.

Die Macht, sie führt in eine zutiefst spirituelle Erfahrung, hindurch durch Kirchenmusik und Kriegsgebrüll, sie ist dramatische Energie, die den Raum erfüllt, nicht zu greifen und dennoch im ganzen Körper spürbar – mal dringt sie durch die Ohren zur Seele hindurch, mal sucht sie in jeder Zelle Widerhall.

Die Macht, sie wurde geschaffen von Menschenhand, die wiederum von einer viel höheren Macht geführt worden sein muss.

Und sicherlich hat sie auch mich geführt, zu diesem Abend, an dem Die Macht des Schicksals – La Forza del Destino – aus Giuseppe Verdis sagenhaftem Schaffenswerk aufgeführt wird.

Alexandre Charles Lecocq - Giuseppe Verdi - La forza del destino

Leave a comment

Filed under Chantez, chantez!, Gratitude Journal, Hot Mezzos in Dresses, Teatro

#TalkPeace

One evening this summer, I went out with a friend. We had a drink down by the river. After the late sunset, it got a little chilly so we both went our ways home. On my way, I passed by my favorite Pakistan takeaway restaurant and I decided to get some samosa. Sadly, samosa was sold out, just as almost every dish they served. I noticed that the restaurant was completely full and so was the Pakistan Burger restaurant next door, just like the Turkish restaurant further down the street. No free table left, families with huge generously filled plates all over the place, all over the street. Not the not most common »German« scene to observe at 11 p.m. But then it came to me – of course – it was the Ramadan. However, I still felt this was a somehow peculiar moment.

Yesterday, we put up our Christmas tree, a tradition deeply ingrained in me. But for a moment, I tried to look at it from a different perspective. Take an alien unfamiliar with our cultural and spiritual background, the Western capitalism, and our fauna system and try to explain: We cut a Nordmann fir tree, put it up in our living room, illuminate it with candle and/or LED lights, decorate it with all kinds of things – straw stars, hearts, glistening balls, wooden miniature toys, angels, and angel-like figures… We place gifts beneath the tree, some are brought there by Baby Jesus, some might be flown there by Santa Claus riding a reindeer-driven sleight.

I love this tradition (even though more the Baby-Jesus-type than the reindeer-believer), and I know the religious and cultural background and explanations as to why conifers live in our house for a couple of days or weeks during Christmas time. Christmas is a dear and serious mystery to me. But I want to point out: It’s not like we don’t have cultural or religious traditions that might appear strange to others.

So my Christmas wish goes out to all the people who decorated a tree these days, who celebrate the birth of Christ, to all who celebrated Ramadan in Summer, to all who live their own, completely different tradition – or try to live none, to all the inter-culturals, to all who don’t connect to any of that – may your traditions and thoughts be peaceful, and may they bring millions of little lights into the dark corners of our world.

#OperaRocks #DoPeace #TalkPeace

Leave a comment

Filed under Et unam sanctam catholicam..., Interconti

Mystère de la Foi – Geheimnis des Glaubens

Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert. Sie begrenzen einen Raum, der voll ist von Zeichen, von Symbolen, Jahrhunderte alten Riten und Traditionen, die Menschen begleitet haben und es noch immer tun.
Eigentlich bin ich aus künstlerischen Gründen hier, Motivkompositionen erstellen, mit Licht zeichnen, auf Millionen kleiner Dioden, die durch Algorithmen und Interpolation ein digitales Abbild der Wirklichkeit erstellen. So habe ich es zumindest in meinem Foto-Kurs gelernt.
Doch als ich die Kirche wieder verlasse, fühle ich mich berührt von kleinen und großen Gegenständen und Bauwerken, die den Bräuchen und Riten ein Gerüst geben, ihnen Leben einhauchen, und die auch mich schon oft einen besonderen Lebenshauch haben spüren lassen.

Der erste Atemzug nach dem Betreten der Kirche ist ein ganz spezieller. So wie der Geruch eines bestimmten Duschgels meinen Puls steigen lässt, so beruhigend wirken auf mich die Spuren des noch in der Luft liegenden Weihrauchs. Er ist mit wohligen Emotionen verknüpft, mit einer Umgebung, in der ich sein und loslassen darf, in der ich mich aufgefangen fühle, in Freude, in Trauer, in Liebe und in Verzweiflung, in der ich Hoffnung und Zuversicht finde, Gemeinschaft und Zuhause sein erlebe. Der Duft verspricht mir, dieses Zuhause auch in diesem Gebäude finden zu dürfen, so fremd und abgelegen es sein mag.

Ein Blick auf die Orgel, die Königin der Instrumente, deren Geschichte eng mit Räumen wie diesem verwoben ist. Die Musik vermag so viele Emotionen auszudrücken, ohne dabei nur ein Wort sprechen zu müssen, dass sie in der Kirche unabdingbar ist, wo es um so viele geht, was sich schwer in Worte fassen lässt. Unser Gehörsinn verknüpft Sinneseindrücke weniger zwar radikal, doch drängen sich auch hier Assoziationen von Gemeinschaft und Geborgenheit auf. Auch die Musik birgt eine sinnliche Gotteserfahrung, eine der tiefsten überhaupt, womit sie dem Weihrauch weit überlegen ist – zumal sie nicht an Gebäude gebunden ist, nicht mal an die Kategorien von weltlich und geistlich. Mich beschleicht der Gedanke, dass die Musik eine größere Tiefe haben kann als alle Rituale und Worte dieses Gebäudes, dass die Musik zutiefst göttlich ist.

Ich stoße auf Einrichtungsgegenstände, die mir fremd bleiben. Sie gehören nicht zu meinem Erfahrungsschatz, sie wurden in mir nie zum Leben erweckt und sind mir nicht zugänglich. Vielleicht scheinen sie mir auch zu sehr von Macht durchdrungen, die fälschlicherweise im Namen der Liebe beansprucht wird, aber eigentlich ein Resultat ihres Mangels ist.

Ich entdecke in diesem Raum aber eine ganze Reihe von Dingen, die für mich etwas Geheimnisvolles in sich tragen, während sie für andere bedeutungslose Gegenstände sind, die zudem jeglicher Ästhetik entbehren. Mir führen sie eine immerwährende Suche vor Augen, nach dem, was wir Gott nennen und im Kern die Liebe ist, die mein Fühlen, mein Denken und mein Tun bestimmen möge.

Diese Suche hat viele Gesichter, derer diese Gemäuer einige beherbergen. Doch ob in Gebet oder Eucharistie, in Gesang oder im Wort, in Weihrauch oder Stille, zum Ziel hat diese Suche immer dasselbe:
Zum einen die Gewissheit, bedingungslos geliebt zu sein, von einer Liebe, die von der Eigenwilligkeit des Menschen losgelöst ist, die unabhängig von uns war, ist und sein wird, die uns Antwortet auf die Frage, warum wir sind: aus Liebe. Sie suchen wir mit allen Sinnen zu erfahren.
Zum anderen die (daraus folgende) Fähigkeit, lieben zu können – unsere eigene Seele mit Liebe zu erfüllen und sie in unseren kleinen Teil der Welt zu tragen, ebenso bedingungslos. In der Realität aber immer begrenzt durch unsere Unvollkommenheit und durch der Liebe Antagonisten, der Angst. Dort, wo wir die Angst selbst nicht bezwingen können, suchen wir Gottes Liebe, dies zu tun. Die Liebe als Kern des Glaubens, die maximale Reduzierung aller Worte, Geschichten, Ermahnungen und Gebote – mit der maximalen Entfaltungskraft für unser Leben, unser eigenes, das Miteinander und das Leben mit Gott. Sie ist Erfüllung, doch vor allem auch Auftrag, Verantwortung und Herausforderung.

Die Liebe, sie ist der Maßstab, an dem sich diese Gemäuer, alles, was sie beinhalten und alles, wofür sie stehen, messen lassen müssen.

Denn Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1 Joh. 4, 16b

(Fotos: Katholische Kirche St. Johannes in Rasdorf)

Leave a comment

Filed under LoveForEveryone, Photography

Über Erinnerungs- und Begeisterungskultur

Am Wahlsonntag waren wir meine Großeltern besuchen. Bei der Machtergreifung war meine Oma 10 Jahre alt, mit 95 muss sie miterleben, wie erstmals wieder eine dem völkischen Gedankengut nahestehende Partei in das Parlament unserer Republik einzieht. In der Chronik ihre Heimatdorfes zeigt sie Fotos aus früheren Zeiten und erzählt von Kühen, Hühnern und Gänsen, von dem Juden, für den sie immer Eier versteckt haben, dem der Hof angezündet wurde. Sie sagt, das mit den Juden, das stehe alles in dem anderen Buch, aber als sie es sich das letzte Mal anschaute, habe sie in der Nacht nicht schlafen können.

Er habe ein Selfie mit ihr machen wollen, aber sie hätten ihn nicht durchgelassen, dabei sei er soch so nah dran gewesen, erzählt dieser junge Mann in gebrochenem Deutsch, mit funkelnden Augen. Seine Begeisterung für Merkel wirkt fast ansteckend – für den Wahltag ist wohl aber die Entgeisterung über Menschen wie ihn sehr viel prägender.

 

Leave a comment

Filed under Juhu, Germany!