Mohnzauber

Die roten Flecken, die der Mohn zurzeit in die Landschaft klatscht, zaubern einige der schönesten Szenen, die der Frühsommer zu bieten hat. Ein faszinierendes Rot, das durch meine Augen meine Seele berührt, es steckt voller Lebendigkeit, voller Leidenschaft, die es zu teilen vermag. Gleichzeitig ist es so vergänglich, wird vom Unwetter in ein hässliches Schwarz zerrissen, das an den Blütenrändern den Naturgewalten trotzt.

Umso dankbarer bin ich für das grandiose Sonnenuntergangsspektakel im Mohnfeld, das ich dieses Wochenende mit meiner Kamera erleben durfte. Entlang des Lumdaradwegs durchziehen die roten Klatschmohnflecken ein ganzes Kornfeld – und in der Faszination darüber gehen die Meinungen von Landwirt und Fotografin sicher weit auseinander.

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Filed under Gratitude Journal, Naturschrat, Photography

Hauptstadtgefühle

Ich sitze im Zug und freue mich schon auf den letzten Teil der Fahrt – wenn der ICE von Berlin Spandau gemütlich zum Hauptbahnhof ruckelt, vorbei am Tiergarten, Siegessäule, in der Ferne die Reichstagskuppel, dann aussteigen, Hauptstadtluft schnuppern.

Hauptstadtgefühle

Andere schwärmen von Hamburg, München oder Köln – ich glaube, man kann nur eine Großstadt lieben, und dieser Platz in meinem Herzen ist seit Jahren an Berlin vergeben. Da steckt sicher eine Menge romantischer Verklärung dahinter, die ich mir aber als gelegentlicher Gast leiste. Was mich begeistert, ist der Geist der Geschichte, den man hier an so vielen Ecken einatmen kann, ohne dabei in ferne Jahrhunderte zurückgehen zu müssen. Hier hat sich Welthistorie zu meiner Lebzeit abgespielt, und doch hat sich die Stadt in den letzten 30 Jahren so wahnsinnig gewandelt, dass die Welt von damals nur schwer wiederzufinden ist. Es sind die Straßenschilder, die ihre ganz eigenen Schriftarten mit den auffälligen Ligaturen verwenden. Es ist das Teilhaben am Großen, Berühmten, am Fernen, am vielleicht manchmal unerreichbar Scheinenden, an Bauwerken, Stadtvierteln, an Stimmungen. Es ist das Eintauchen in eine bunte Welt, in der es alle Arten von Menschen zu geben scheint.

Bevorzugt reise ich mit meiner Kamera nach Berlin, ich darf sie betrachten, diese bunte Welt mit ihrer so präsenten Geschichte, mit ihrer Vielfalt, und versuche sie festzuhalten, um ein bisschen von ihr mit nach Hause zu nehmen – im Herzen und auf der Chipkarte.

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#EuropaistdieAntwort

»Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.«

Als die Herren und Damen vor 70 Jahren ihre Unterschrift unter das Grundgesetz und dessen Präambel setzen, hat die Dämmerung des »erfolgreichsten Friendensprojekts der neueren Geschichte« gerade erst begonnen. Die Vision, die Grenzen des Nationalen in Richtung Europa zu überschreiten, erscheint für damals erstaunlich. Als ich als Jugendliche die Einführung des Euro erlebte und der Begriff der Europäischen Verfassung im Raum stand, schien sie verwirklicht. Heute scheint sie zuweilen machtlos gegenüber den nationalistischen und populistischen Ängsten, die in den letzten Jahren immer fruchtbarere Böden gefunden haben.

Eigentlich ist ja Liebe die Antwort – egal auf welche Frage, insbesondere jedoch auf Fragen von Ängsten. Für den aktuellen Wahlkampf ist aber auch Europa als Antwort mehr als legitim.

Europa ist die Antwort

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Kräuterhexe

Ende März sah ich den ersten Bärlauch im Supermarkt – und damit auch eine der ersten Möglichkeiten, an meine Sammellust des Herbstes anzuknüpfen. Ich hatte tatsächlich noch nie Blätter vom Boden des Waldes gepflückt um sie ungekocht zu essen. Das Internet warnte vor Maikraut, die Erinnerungen an die Biologievorlesungen vor dem Fuchsbandwurm. Letztlich fühlte sich das Bärlauchpflücken neben bio-kräuterhexerisch vor allem ziemlich cool an.

Zu Ostern gab es dann also Bärlauch aus dem  Schiffenberger Wald. Zu meiner Überraschung und naturverbundenen Freude war der Bärlauch-Spot von den Gießenern noch nicht leer geräubert. So unscheinbar er dort wächst, so höllisch-aromatisch hat er sich einige Tage in der ganzen Wohnung ausgebreitet. Früher fand ich das furchtbar. Jetzt: Großartig.

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Filed under Mein erstes Mal, Naturschrat

Frühlingsgefühle

Als unser peruanisches Familienmitglied im Dezember nach Deutschland kam, fragte er noch auf der Autofahrt vom Flughafen nach Hause, warum die Bäume bei uns keine Blätter hätten. Wir baten ihn, sich noch drei Monate zu gedulden. Jetzt ist er völlig fasziniert vom Blühen der Bäume, das die Landschaft seit einigen Wochen wieder zu buntem Leben erweckt.

So viel es im Sommer auch zu schwitzen und im Winter zu frieren gibt, so dankbar bin ich, immer wieder den Kreislauf der Jahreszeiten erleben zu dürfen, jede mit ihren ganz eigenen Farben, Düften und Stimmungen. Das Immergrün hat sicher seinen ganz eigenen Reiz, aber fehlt im nicht der Anfang? Der Frühling riecht nach Leben, nach Aufbruch, Neuanfang, nach Hoffnung – ohne ihne wäre alles sinnlos.

Frühling

 

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Filed under Gratitude Journal, Naturschrat

Adoptiv-Olive

Ich lasse mich ja nur äußerst selten und ungern von Werbe-Click-Bannern verführen, aber dieses Mal bin ich schwach geworden und habe zum ersten Mal die Empfehlung einer Sociel-Media-Plattform tatsächlich gekauft. Etwas Besonderes, vielleicht auch etwas besonders Spezielles: Ich habe einen Olivenbaum adoptiert. Richtig – irgendwo auf einer spanischen mediterranen Olivenplantage steht jetzt ein Baum, der ein Schild mit dem Namen “Elias”, dem jüngstgeborenen unserer Familie, erhalten wird. Ich bekomme ein Foto, ein Besuchsrecht und – das war der vorrangige Grund meiner Adoption – zum Ende des Jahres 8 Liter Ölivenöl. Das Öl wird nicht ausschließlich von meinem Baum stammen, aber diesen Umstand habe ich mit Sinn und Wehmut akzeptiert. Der Farmer bekommt dafür knapp 90 € für den Unterhalt des Baumes, Ernte und Verarbeitung, Verpackung und Versand. Anbau auf Bestellung, inklusive einem gutem Gefühl.

Außer Olivenbäumen kann auf unter anderem auch Kaffeeplantagen adoptieren (gerade ausverkauft), ein Merino-Schaf oder einen Orangenbaum. Leider wusste ich mit 25 kg Orangen auf einmal nicht so viel anzufangen, deshalb habe ich mich für die Oliven entschieden.

Adoptionsvermittler ist das spanische Unternehmen crowdfarming.com, welches sich für nachhaltige und faire Produktionsbedingungen einsetzt und die Website zum Grow-on-demand betreibt. Ziel sind transparente Lieferketten, Lebensmittel direkt von Erzeugner, nachhaltige Produktion, vorzusgweise nach Bio-Richtlinien. Die Bestellung vor der Produktion soll zum Beispiel zur Reduzierung von Nahrungsmittelüberflüssen beitragen. Das finde ich grundsätzlich eine gute Idee, kann mir allerdings nicht vorstellen, dass man meinen Baum Elias für dieses Jahr aus der Produktion genommen hätte, wenn ich dem Farmer die Ernte nicht im Vorfeld abgekauft hätte.

Gut fühlt sich meine Adoption trotzdem an – und ich hoffe, dass es Weihnachten dann auch genauso gut schmeckt.

Auch Orangenbäume werden in Spanien zur Adoption angeboten.

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Filed under Food watch, Mein erstes Mal

Unbequeme Worte

Anfang des Jahres war ich angetan von der Idee, einmal Worten, die man gerne öfter hören würde, etwas mehr bloggerische Aufmerksamkeit zu schenken. Die letzten Wochen brachten mich dann ein wenig in einen Zwiespalt: In den Medien sind Worte präsent, die versuchen Unbeschreibliches zu beschreiben, nämlich den sexuellen Missbrauch an Kindern, der gerade im Gewand der katholischen Kirche in die Öffentlichkeit tritt. Es sind Worte, die weh tun, die aber viel öfter gehört werden müssten.

Meine Wochenzeitung berichtet seit Monaten zuverlässig über neue Erkenntnisse, Debatten, Studien, Gerichtsprozesse und Entwicklungen im sogenannten Missbrauchsskandal der katholischen Kirche – eine schier unversiegbare Quelle an Grausamkeiten und Heucheleien. Das Ganze gipfelte letztes Wochenende in einem Gipfel, an dessen Ende eine Rede des Papstes stand, die den katastrophalen Umgang der Kirche mit dem Missbrauch eklatant wiederspiegelte. Das möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr vertiefen. Bodo Wartke fasst es so wunderbar zusammen:

Wenn ich ein Gott wär von irgendeiner traditionsreichen populären Weltreligion, dann hätt‘ ich was zu sagen:
wenn von selbsternannten Dienern Gottes auf Erden
Kinder missbraucht und mishandelt werden,
dann geschieht das ganz gewiß nicht in meinem Namen!

Damals – 2010, als die erste Enthüllungswelle katholischer Verbrechen losgetreten wurde – wie heute habe ich die Berichterstattung förmlich in mich aufgesogen, auch wenn ich diese Kirche kopfschüttelnd, aber bequem von außen betrachten darf. Was mich bewegt, ist die Tatsache, dass diese Worte es überhaupt in die breite Öffentlichkeit geschafft haben. Denn Worte lassen Realitäten entstehen.
Sexueller Missbrauch scheint mir einen Rahmen zu benötigen, um in das öffentliche Bewusstsein zu gelangen. Diesen Rahmen bietet die moralisch hoch aufgeladene, weltumspannende Kirche auf besondere Weise: Sie bietet ein ganzes Tätersystem mit der größtmöglichen Divergenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, mit äußerst wirksamen Vertuschungsmechanismen und einer kaum zu beziffernden Zahl an Betroffenen, Survivors.
Vielleicht bietet dieser Rahmen, der so greifbar ist, irgendwann auch einen Spalt, um diejenigen in ein öffentliches Bewusstsein zu holen, an denen ähnliche Verbrechen außerhalb dieses oder eines anderen Systems verübt wurden. Um den sexuellen Missbrauch aus seinem finsteren Tabu-Versteck zu zwingen und Räume zum Sprechen zu bieten.

Noch wichtiger wäre jedoch, den Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es Missbrauch gibt, sei er sexueller oder anderer Art, dass er manchmal wie eine Normalität daher kommt, von Vertrauten und Nahestehenden, und dass vor allem eines ist: ein Verbrechen.

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Filed under #TalkPeace, § 176