Sätze statt Vorsätze

Mit ein paar Tagen Verspätung ein kleiner Neujahrsgruß – das neue Jahr soll schließlich auch erstmal in Ruhe ankommen können, bevor es gleich mit Erwartungen überfrachtet wird.

Den Silvesterabend verbrachten wir im Theater. Anstatt uns an Vorsätzen für das neue Jahr abzuarbeiten, ließen wir liebevoll rezitierte Sätze auf uns wirken, die wir im neuen Jahr gerne öfter hören würde. Neben Bekundungen von Wohlwollen, Anerkennung und Liebe stehen meine beiden absoluten Favoriten:

Alice Weidel arbeitet eigentlich für Jan Böhmermann.

Donald Trump ist Jan Böhmermann.

Vielleicht ist das ein guter Zeitpunkt, eine neue Blog-Kategorie zu starten – mit Worten, die wir gerne öfter hören möchten.

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Filed under #TalkPeace, die wir öfter hören wollen

Über nicht-reziprokes Schenken

Zu Weihnachten sollte ein Eintrag in mein Gratitude Journal nicht fehlen. Ganz klar: Ich bin dieser Jahreszeit für ihre reiche Geschenke-Tradition dankbar!

Zum einen – wenngleich nicht mit oberster Priorität – natürlich über das Beschenkt werden. Wobei man ja bekanntlich nicht alle Geschenke über einen Kamm scheren darf…
Da gibt es – und da hat sicher jeder seine eigene, ganz persönliche Erfahrung – das Fiasko-Geschenk, bei dem sich  vielleicht für die guten Absichten noch ein wenig Dankbarkeit zusammenfühlen lässt.
Da gibt es den Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis oder eine persönliche Dienstleistung, der ein unglaublich wertvolles Angebot, ein Zeit-Geschenk, ausdrückt, dessen Einlösung aber manchmal leider im Sande verläuft.
Da gibt es – als zwischenmenschliches Geschenk leider viel zu oft verkannt – das Teilen von Erfahrungen und Blickwinkeln, aufrichtige Anteilnahme und aufmerksames Zuhören. In der Regel nicht verpackt, aber von unvorstellbar großem Wert!
Da gibt es Dinge, ob man sie braucht oder nicht, die einen für immer an den Schenkenden erinnern und damit weit mehr sind als ein Gegenstand.
Da gibt es Geschenke, deren wahrer Wert nicht in seinem monetären Äquivalent liegt, sondern in einer Botschaft, die den Beschenkten in seinem Sein bejaht.
Die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Es kristallisiert sich jedoch ein Gedanke heraus: Die schönsten Geschenke sind jene, die eine sich vertiefende Verbindung zwischen zwei Menschen spüren lassen – ein Geschenk für beide.

Noch dankbarer bin ich für den viel berührenderen Part der Geschenke-Tradition, nämlich dem Schenken an sich. Auch wenn es immer wieder eine Herausforderung darstellt, den gerade an das perfekte Geschenk formulierten Anspruch zu erfüllen (die sich vertiefende Verbindung), fühle ich mich oft, als säße ich selbst wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, wenn ich für einen lieben Menschen ein perfektes Geschenk gefunden habe, mit einem nicht bezifferbaren immateriellen Wert, Ausdruck von Freundschaft und Liebe. Gebe es die Geschenke-Tradition nicht, dies würde mir am meisten fehlen!

Und wo wir bei immateriellen Werten sind – an dieser Stelle läuft die Theorie, Grundlage des Schenkens sei Reziprozität, in eine Sackgasse. Aber das gemeinsame Amüsement über Dr. Sheldon Coopers Analysen sozialer Konventionen – man überlasse dem anderen kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung, ein Geschenk von ebenso großem Wert zu beschaffen, welches zu dem das gleiche Beziehungslevel repräsentiere wie das ursprünglich Geschenkt – das wiederum ist ein Geschenk von unbezifferbarem Wert.

In diesem Sinne wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit einem offenen Auge für all das, womit wir bereits beschenkt sind und mit einem offenen Herzen für die Liebe, die es zu schenken gilt – und das weit über das Weihnachtsfest hinaus.

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Filed under #TalkPeace, Gratitude Journal

Adventsweisheiten

Wir waren am Wochenende im Wohngut Hachborn und haben uns Anregungen zum Weihnachtskartenbasteln geholt. Die Produktion ist gestartet.

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Filed under Photography

Auf die Augen, auf die Ohren

Kurze Pause im hektischen Adventsalltag für einen schnellen Gratitude-Check:

Ich bin dankbar für das Kerzenlicht! Zwar gibt es auch hier immer mehr LED-Imitate, doch das Feuer behauptet sich auf dem Markt immer noch tapfer. Die Glühbirne hingegen musste in Sachen Weihnachtsbeleuchtung in den letzten Jahren nahezu vollständig das Feld bzw. den Baum räumen. Für das Klima und die Menschheit eine wichtige Entwicklung, aber so ganz ist die Glühlampe doch nicht zu imitieren. Da müssen an den Feiertagen dann vermutlich doch wieder die Kerzen ran. Der Rest des Hauses erleuchtet aber trotzdem in LED-Warmweiß, man muss ja auch mit der Zeit gehen.

Auf die Augen, auf die Ohren

Und ich bin dankbar für meine kleinen Ohrenwärmer, die ich in diesem Winter mit Herzmotiv trage. Ein bisschen mehr Liebe in der Welt kann schließlich nicht schaden.

In diesem Sinne: eine friedliche Adventszeit!

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Filed under Gratitude Journal

Tapetenwechsel

Addio.

Nach sieben Jahren war es für mich an der Zeit, mich vom Titelbild meines Blogs zu verabschieden. Die antiken Zeilen stammten aus einem 1827 gedruckten Werk – ein Fund in der ehemaligen Institutsbibliothek-Bibliothek, dessen inhaltlicher Wert mir wohl nicht so hoch erschien wie sein fotografischer. Diesen schätzte ich von Beginn an sehr, die Textzeilen sollten meinem Blog einen Hauch handwerklicher Schriftsatzkunst mit in die digitale Welt geben.

»Die Schule der Frauen oder Schriften zur Belehrung des weiblichen Geschlechts« wohnt mittlerweile im Magazin der Unibibliothek

Doch den Pfad zur soziomedialen Selbstoptimierung habe ich nun bereits seit einigen Jahren verlassen und so soll auch mein neues Titelbild die Hinwendung zu originäreren Dingen der Schöpfung wiederspiegeln – der Liebe und der Natur. Die Musik ist da nicht weit von entfernt, deshalb wird sie auch erstmal weitehrin den Hintergrund zieren, ein Bildnis aus Rossinis Carnevale di Venezia.

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Filed under In eigener Sache

Biodiversität

Ich bin dankbar für meine Lieblingstherme im mittelhessischen Bergland. Sie beherbergt die gemütlichste Saunalandschaft, in der ich mich bisher auf den bezaubernden Mix aus rustikalem Schwitzen, sanftem Wellness-Relaxen, gedämpftem LED-Kerzenlicht, entspanntem Füße Wärmen und erlebter Verdampfungsenthalpie eingelassen habe. Die Sauna an sich ist aber nicht nur ein entspannungsinduzierender Ort, sondern durchaus auch einer des Erkenntnisgewinns – über das Leben an sich, über unsere Gesellschaft und ihre sich verändernden Gepflogenheiten, über den vielfältigen Reichtum, den die großartige Natur hervorbringt.

Ein einziger Gedanke löst bei allem inneren und äußerlichen Loslassen dann doch immer wieder ein wenig Beklemmung aus – dass bei jedem Saunagang unser ökologischer Fuß wohl durch ein Tal der Tränen wandelt. Die Solarsauna ist im mittelhessischer Bergland leider noch nicht in Sicht.www.ccpixs.com

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Filed under Gratitude Journal

Lebendiges Mittelalter

Kürzlich sah ich einen Schriftzug: Verein für lebendiges Mittelalter e.V. – zwar weiß ich wohl um diesen Kult, aber wer zum Teufel wünscht sich eigentlich, dass das Mittelalter wieder lebendig wird?! Doch hin und wieder passiert das ja mal, nicht selten aus einer römischen Keimzelle heraus. So auch wieder kürzlich, als der Vatikan dem Jesuiten Ansgar Wucherpfennig eine sogenannte Unbedenklichkeitserklärung für die Fortführung seines Rektorenamtes an der Philosophischen Hochschule Sankt Georgen versagte und forderte, vor einigen Jahren getätigte homophile Aussagen zu widerrufen.

Mit Sankt Georgen verbinde ich ein Abendessen im Priesterseminar vor knapp zehn Jahren, die Jungs hatten Reis gekocht. Eingeladen hatte mich ein junger Seminarist, den ich in monastischen Kreisen in Frankreich kennen gelernt hatte. Wir trafen uns ein paar Mal in Frankfurt, verloren uns dann aber etwas aus den Augen, wenngleich unsere Facebook-Freundschaft fortbestand.

Erst einige Jahre später sah ich den damaligen Seminaristen wieder, beim Christopher Street Day im Sommer: Ich schaute der Parade zu und er zog an mir vorbei, auf dem Wagen seines Arbeitsgebers. Der war mittlerweile ein großes Unternehmen, bei dem er Wirtschaftsingenieurwesen studierte – und seinen Lebensgefährten kennen lernte.

Seitdem sind weitere Jahre des 21. Jahrhunderts vergangen und man könnte meinen, wir seien in der Akzeptanz von Vielfalt in unserem Kulturkreis schon recht weit gekommen. Wenn sich aber ein Neutestamentler für eine Liebe ausspricht, die in der Grundorientierung egalitär und in der Geschlechterorientierung folglich egal ist, dann gehen doch 300 Jahre beste aufklärerische Tradition den Bach hinunter, die Kirche forderte Widerrufung. Möglichweise, weil damit an ihrem jahrhundertealten Erfolgsrezept gekratzt wird, der Verteidigung von Machtgefällen – die heute mehr denn je in Frage gestellt werden sollte, gerade wenn man in einer aufgeklärten Gesellschaft das höchste religiöse Gut der Liebe im Kontrast zu den tiefsten institutionellen Machtmissbräuchen der Kirche betrachten muss.

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Filed under #LoveIsLove, Catholic Dungeon