#LiebeFürAlle

Für meine »Mein erstes Mal«-Reihe haben sich am vergangenen Freitag die Ereignisse überschlagen. Zum ersten Mal eine ganze Bundestagsdebatte schauen, mit konfettiumjubelten Antrag zur Änderung der Geschäftsordnung. Und mit Tränen in den Augen. Zum ersten Mal das Gefühl, dass Berlin ganz nah ist, dass diese Abgeordneten mitten in meinem Leben stehen. Zum ersten Mal haben Frauen und Männer, die sich lieben, die Perspektive zu heiraten und es auch so nennen zu dürfen (denn wenn es nicht so genannt werden darf, ist es Diskriminierung, Herr Kauder) – die Ehe für alle wurde beschlossen.

In Freiburg durfte der erste Christopher Street Day diese Errungenschaft feiern (es bleibt jedoch genug, wofür noch zu kämpfen ist), die ersten Pläne für eine Verfassungsklage der AfD sind gescheitert (nicht antragsberechtigt). Der erste ernsthafte Versuch einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wird jedoch möglichweise auch nicht lange auf sich warten lassen, dann wird Justitia beweisen müssen, wie homo sie wirklich ist.

Was hinterher in der Zeitung stand, wurde allerdings nicht das erste Mal gedruckt.

»Die letzte Bastion fällt.«

»Ein außergewöhnlicher Fall in der deutschen Parlamentsgeschichte.«

»Der CDU-Fraktionsvorsitzende […] hat den Fraktionszwang aufgehoben«

»…basiert auf einem klugen Gruppenantrag…«

Vor fast genau 20 Jahren sahen die Konservativen die Institution der Ehe schon einmal bedroht, nämlich als die Vergewaltigung in der Ehe auf den Stand eines Verbrechens gehoben wurde. Auch damals wurde der Bezug zum grundgesetzlichen Schutz der Ehe und Familie gegen den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung angeführt. Die heutige CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeld und die heute fraktionslose Abgeordnete Erika Steinbach stimmten damals gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe. Am vergangenen Freitag beriefen sie sich in ihren Reden abermals auf die besondere Schutzbedürftigkeit der ehelichen Institution.

Können wir nicht froh und dankbar sein, dass wir heute nicht mehr mit dem Eheverständnis des Jahres 1949 leben müssen? Dass Frauen aus freiem Willen ein eigenes Konto eröffnen können und eben nicht mehr unter dem »Schutz« des Grundgesetzes vergewaltigt werden dürfen?

Sicher sind bei beiden »Bastionen« – die Ehe als Freibrief für sexuelle Gewalt und als Bollwerk der Heteronormativität – in sich grundlegend unterschiedlich, doch wird deutlich, welche verschrobenen Wege der Konservatismus zuweilen ging, und dass nicht unbedingt alles gut war damals, 1949.

Und worin liegt eigentlich genau die Bedrohung der Institution Ehe?

Doch vor allem in dem, was über die vergangenen Jahrzehnte zunehmend Wirklichkeit geworden ist: Kinderlose Ehen. Eheloses Kinderglück. Kinder, die darunter leiden, nicht mit Mama und Papa aufzuwachsen oder zusammenzuleben – oder von ihnen vernachlässigt werden. Weniger Eheschließungen, mehr Scheidungen. Und all das vorrangig in der heterosexuellen Bevölkerungsgruppe (wie übrigens auch im Geltungsbereich des besonderen Schutzes von Ehe und Familie).

Die Ehe für alle schmälert nicht die Leistung und Möglichkeiten unserer heterosexuellen Mitbürger und Mitbürgerinnen, sich für den biologischen Fortbestand unserer Gesellschaft einzusetzen, und wertet die »Weitergabe von Leben« in keinem Stück ab. Da diese heute aber nahezu gleichwertig innerhalb wie außerhalb der Ehe stattfinden darf, lenkt die Ehe für alle den Blick auf ihren zweiten Kern, den der Christdemokrat Dr. Luczak völlig zu Recht in seiner Bundestagsrede hervorhebt: schützenswert an der Ehe sind – heute mehr denn je – die zutiefst konservativen Werte der Liebe, Treue, Verlässlichkeit, der Verantwortung füreinander, die frei jeglichen Geschlechts sind. Es sind diese Werte, die unsere Gesellschaft stärken, egal zwischen wem sie gelebt werden. Und es sind diese Werte, die wir an unsere Kinder weiterzugeben haben.

Wahrscheinlich hat das Gesetz hauptsächlich eine Folge: mehr Ehen. Und Anerkennung dessen, was wir in diese Welt mitgebracht haben und in Liebe leben möchten.

Love wins!

 

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Ist Justitia lesbisch?

Der aufbrausende Wahlkampf beschert uns möglicherweise das Recht, den Menschen, den wir lieben, zu heiraten. Auch wenn eine Überzeugungstat sicher einen weniger bitteren Beigeschmack hätte, ist es ein historischer Moment, den wir da morgen erwarten. Ein knappes viertel Jahrhundert nachdem die Homosexualität in unserem Land in die vollkommene Straffreiheit entlassen wurde, würde sie mit der Ehe für Alle eine Bastion des Konservatismus erobert, welcher die Biologie über den christlichsten aller Grundwerte stellt – die Liebe. Überfällig – und bewegend.

Mit Spannung bleibt abzuwarten, ob wir die “Ehe für Alle”-Plakate, die in den letzten Jahren auf unzähligen Demos der Christopher Street Days durch die Straßen getragen wurden, endlich wegschmeißen dürfen – und Justitia vielleicht doch ein bisschen lesbisch ist.

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Filed under LoveForEveryone, Politics

Undigestable

Anti-Trump poop. Who fed their dog with American cookies?

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Filed under curioso, Life in Gießen, Photography

On Privacy

There is something very private about public toilets. The moment you lock the door you are with yourself only, be it in a clean and friendly or in a yucky environment.

I must admit, I was not aware of this privacy being a key aspect of public toilets until I saw this totally public toilet in a coffee house in Vienna, Austria. I was left in disorientation and confusion – and with my very basic needs.

Public Toilet in Viena

For all those who would like to pee at Alt Wien Kaffeehaus – the door turns non-transparent when locked.

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Filed under curioso, En route

»Die Liebe ist der Herzschlag des gesamten Universums«

La Traviata Probe II

Es muss ihm wichtig sein, wenn er sagt „ich weiß, dass Sie das alle wissen“ und die Geschichte trotzdem erzählt.

Der Maestro nutz die kurze Pause, um sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn zu wischen und beginnt mit seiner kurzen Lektion zur wahren Geschichte hinter La Traviata, mit einem Ernst in der Stimme, die eine Betroffenheit vom Schicksal einer jungen Frau spüren lässt, deren Geschichte, deren Verletzungen und deren Glück heute kein Stück an Aktualität eingebüßt haben.

Die historische Vorlage der vom Wege abgekommenen biete Marie Duplessis, eine adelig klingende Namensfassade der unter erbärmlichen Verhältnissen in der Normandie geborenen Alphonsine Plessis.

Mit dem Taschentuch trocknet er wieder den Schweiß auf seiner Stirn und erzählt von dem Mädchen, sie sei in Armut aufgewachsen und bereits als Kind sexuell missbraucht worden. Seine Stimme lässt erahnen, er lege damit den Schlüssel für das Verstehen von Violettas Seele frei und spanne die emotionale Dimension dieser Geschichte auf.

"Die Liebe ist der Herzschlag des gesamten Universums" La Traviata im Stadttheater Gießen Foto: Rolf K. Wegst

»Die Liebe ist der Herzschlag des gesamten Universums«
La Traviata im Stadttheater Gießen (noch bis April 2017)
(Photo: Rolf K. Wegst)

Irgendwann habe sie ihre Schönheit entdeckt und wie diese sie aus ihrem miserablen Leben befreien könne. Sie sei nach Paris gegangen und habe sich dort einen Namen als Kurtisane diverser gewichtiger Herren gemacht. Dabei sei sie – natürlich – erkrankt. Sie habe sich schließlich verliebt, diese Seele, die sich an so viele Männer verkauft hatte, habe zum ersten Mal begonnen, unschuldig und rein zu lieben. Schließlich sei sie, schwindsüchtig wieder in der Armut gefangen, ihrer Krankheit erlegen, mit gerade mal 23 Jahren, während vor der Tür bereits die Gerichtsvollzieher warteten – ihren Tod erwarteten, um aus ihrem mit ihrer Aura behafteten Hab und Gut märchenhafte Profite zu schlagen. Heute liege sie auf dem Pariser Friedhof Montmatre begraben.

Die Geschichte der Traviata, vom Wege abgekommenen, sie handelt von der Liebe, die an einem Fleck in Violettas Seele keimt, der von allen Verletzungen geschützt worden war und ihr Heilung bringt. Leider vermag sie keine sozialen Konventionen zu durchbrechen, sodass sie letztlich an diesen selbst zerbricht.

In der Tragik und Dramatik unausweichlich mitreißend, doch am Ende steht nicht der Tod, sondern die Fähigkeit, trotz aller Verletzungen unschuldig und rein lieben zu können – wenn auch gefangen in den Unzulänglichkeiten des menschlichen Daseins, die Violetta der Einsamkeit überlassen.

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Filed under 17x., Chantez, chantez!, Teatro

More than a kiss

The other day I went to visit friends, a lovely couple, they made coffee and teased each other. Ultimately, one gave in and she gave her a tender smile and a kiss.

That was a lovely scene. It made me think of the first time I ever saw two women kiss, about one and a half decades ago, on TV. It had thrilled me to see that lesbians might really exist.

The scene at my friends’ touched me, for it let me feel that I am not alone having a – the, of course – world’s most wonderful women in my life. There’s more of us and we are wonderful.

Sadly, we are pretty much missed out in all these romantic Christmas movies. We definitely deserve one.

Anyway – a Merry Christmas to all you queer and gay and straight and whatever people!

Glitter and be gay – wishing you loads of tender smiles and a merry Christmas!

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Ohrenzeuge

La Traviata-Probe I

Wie das Entsetzen nahbar machen, wenn die Musik noch zu lieblich erklingt, zu flach, zu alltäglich?

Der Maestro unterbricht und beginnt mit seiner weichen, tiefen Stimme gefasst, aber ernst zu sprechen. Da sei das ein Festival in Nürnberg gewesen, im Sommer, mit diesem Konzert in Ansbach, an diesem einen Tag. Er habe vor dem Festival-Gelände gestanden und ja auch nicht gewusst, wie es sich anhöre, wenn eine Bombe explodiere. Einen dumpfen Knall habe es getan, etwa 100 Meter entfernt. Erst die Vermutung, das sei vielleicht ein Teil der in der Nähe stattfindenden Bühnenshow. Dann aber hätten sich die Gesichter der Menschen verändert, die Fröhlichkeit sei weißen, leeren Blicken gewichen. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in die Luft gesprengt.

Ein solches Entsetzen sei, das in La Traviata erklingen solle.

Zum ersten Mal einen Ohrenzeugen des Terrors gehört.

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