Category Archives: Gratitude Journal

Mohnzauber

Die roten Flecken, die der Mohn zurzeit in die Landschaft klatscht, zaubern einige der schönesten Szenen, die der Frühsommer zu bieten hat. Ein faszinierendes Rot, das durch meine Augen meine Seele berührt, es steckt voller Lebendigkeit, voller Leidenschaft, die es zu teilen vermag. Gleichzeitig ist es so vergänglich, wird vom Unwetter in ein hässliches Schwarz zerrissen, das an den Blütenrändern den Naturgewalten trotzt.

Umso dankbarer bin ich für das grandiose Sonnenuntergangsspektakel im Mohnfeld, das ich dieses Wochenende mit meiner Kamera erleben durfte. Entlang des Lumdaradwegs durchziehen die roten Klatschmohnflecken ein ganzes Kornfeld – und in der Faszination darüber gehen die Meinungen von Landwirt und Fotografin sicher weit auseinander.

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Frühlingsgefühle

Als unser peruanisches Familienmitglied im Dezember nach Deutschland kam, fragte er noch auf der Autofahrt vom Flughafen nach Hause, warum die Bäume bei uns keine Blätter hätten. Wir baten ihn, sich noch drei Monate zu gedulden. Jetzt ist er völlig fasziniert vom Blühen der Bäume, das die Landschaft seit einigen Wochen wieder zu buntem Leben erweckt.

So viel es im Sommer auch zu schwitzen und im Winter zu frieren gibt, so dankbar bin ich, immer wieder den Kreislauf der Jahreszeiten erleben zu dürfen, jede mit ihren ganz eigenen Farben, Düften und Stimmungen. Das Immergrün hat sicher seinen ganz eigenen Reiz, aber fehlt im nicht der Anfang? Der Frühling riecht nach Leben, nach Aufbruch, Neuanfang, nach Hoffnung – ohne ihne wäre alles sinnlos.

Frühling

 

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Über nicht-reziprokes Schenken

Zu Weihnachten sollte ein Eintrag in mein Gratitude Journal nicht fehlen. Ganz klar: Ich bin dieser Jahreszeit für ihre reiche Geschenke-Tradition dankbar!

Zum einen – wenngleich nicht mit oberster Priorität – natürlich über das Beschenkt werden. Wobei man ja bekanntlich nicht alle Geschenke über einen Kamm scheren darf…

Da gibt es – und da hat sicher jeder seine eigene, ganz persönliche Erfahrung – das Fiasko-Geschenk, bei dem sich  vielleicht für die guten Absichten noch ein wenig Dankbarkeit zusammenfühlen lässt.

Da gibt es den Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis oder eine persönliche Dienstleistung, der ein unglaublich wertvolles Angebot, ein Zeit-Geschenk, ausdrückt, dessen Einlösung aber manchmal leider im Sande verläuft.

Da gibt es – als zwischenmenschliches Geschenk leider viel zu oft verkannt – das Teilen von Erfahrungen und Blickwinkeln, aufrichtige Anteilnahme und aufmerksames Zuhören. In der Regel nicht verpackt, aber von unvorstellbar großem Wert!

Da gibt es Dinge, ob man sie braucht oder nicht, die einen für immer an den Schenkenden erinnern und damit weit mehr sind als ein Gegenstand.

Da gibt es Geschenke, deren wahrer Wert nicht in seinem monetären Äquivalent liegt, sondern in einer Botschaft, die den Beschenkten in seinem Sein bejaht.

Die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Es kristallisiert sich jedoch ein Gedanke heraus: Die schönsten Geschenke sind jene, die eine sich vertiefende Verbindung zwischen zwei Menschen spüren lassen – ein Geschenk für beide.

Noch dankbarer bin ich für den viel berührenderen Part der Geschenke-Tradition, nämlich dem Schenken an sich. Auch wenn es immer wieder eine Herausforderung darstellt, den gerade an das perfekte Geschenk formulierten Anspruch zu erfüllen (die sich vertiefende Verbindung), fühle ich mich oft, als säße ich selbst wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, wenn ich für einen lieben Menschen ein perfektes Geschenk gefunden habe, mit einem nicht bezifferbaren immateriellen Wert, Ausdruck von Freundschaft und Liebe. Gebe es die Geschenke-Tradition nicht, dies würde mir am meisten fehlen!

Und wo wir bei immateriellen Werten sind – an dieser Stelle läuft die Theorie, Grundlage des Schenkens sei Reziprozität, in eine Sackgasse. Aber das gemeinsame Amüsement über Dr. Sheldon Coopers Analysen sozialer Konventionen – man überlasse dem anderen kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung, ein Geschenk von ebenso großem Wert zu beschaffen, welches zudem das gleiche Beziehungslevel repräsentiere wie das ursprünglich Geschenkte – das wiederum ist ein Geschenk von unbezifferbarem Wert.

In diesem Sinne wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest, mit einem offenen Auge für all das, womit wir bereits beschenkt sind und mit einem offenen Herzen für die Liebe, die es zu schenken gilt – und das weit über das Weihnachtsfest hinaus.

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Auf die Augen, auf die Ohren

Kurze Pause im hektischen Adventsalltag für einen schnellen Gratitude-Check:

Ich bin dankbar für das Kerzenlicht! Zwar gibt es auch hier immer mehr LED-Imitate, doch das Feuer behauptet sich auf dem Markt immer noch tapfer. Die Glühbirne hingegen musste in Sachen Weihnachtsbeleuchtung in den letzten Jahren nahezu vollständig das Feld bzw. den Baum räumen. Für das Klima und die Menschheit eine wichtige Entwicklung, aber so ganz ist die Glühlampe doch nicht zu imitieren. Da müssen an den Feiertagen dann vermutlich doch wieder die Kerzen ran. Der Rest des Hauses erleuchtet aber trotzdem in LED-Warmweiß, man muss ja auch mit der Zeit gehen.

Auf die Augen, auf die Ohren

Und ich bin dankbar für meine kleinen Ohrenwärmer, die ich in diesem Winter mit Herzmotiv trage. Ein bisschen mehr Liebe in der Welt kann schließlich nicht schaden.

In diesem Sinne: eine friedliche Adventszeit!

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Biodiversität

Ich bin dankbar für meine Lieblingstherme im mittelhessischen Bergland. Sie beherbergt die gemütlichste Saunalandschaft, in der ich mich bisher auf den bezaubernden Mix aus rustikalem Schwitzen, sanftem Wellness-Relaxen, gedämpftem LED-Kerzenlicht, entspanntem Füße Wärmen und erlebter Verdampfungsenthalpie eingelassen habe. Die Sauna an sich ist aber nicht nur ein entspannungsinduzierender Ort, sondern durchaus auch einer des Erkenntnisgewinns – über das Leben an sich, über unsere Gesellschaft und ihre sich verändernden Gepflogenheiten, über den vielfältigen Reichtum, den die großartige Natur hervorbringt.

Ein einziger Gedanke löst bei allem inneren und äußerlichen Loslassen dann doch immer wieder ein wenig Beklemmung aus – dass bei jedem Saunagang unser ökologischer Fuß wohl durch ein Tal der Tränen wandelt. Die Solarsauna ist im mittelhessischer Bergland leider noch nicht in Sicht.www.ccpixs.com

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Parade-Beispiel

Juli ist Pride-Season. Da hatte ich beschlossen, der Main-Metropole dieses Jahr mal wieder einen Tagesausflug abzustatten. Zu erleben gab es eine Mischung aus Demo, Faschingsumzug, Volksfest und einer surrealen Welt, in der offen hetero lebende Pärchen plötzlich ein wenig exotisch erscheinen. Einmal Vielfalt zum Eintauchen, Durchschwimmen, Aushalten, Bestaunen, Feiern und Genießen – for basically anybody – whether you’re gaysexual, straightsexual, bisexual, trisexual, supersexual, oversexual, undersexual, whatever.

Ich und meine Kamera lieben das Bunt der Parade, wir waren schon das dritte Mal gemeinsam da um die knalligen Farben einzufangen, das, was sonst so oft unsichtbar bleibt. Mich berührt die Fröhlichkeit, die die Parade durchzieht – eine Fröhlichkeit, die es hier nicht immer gab und die es anderswo noch immer nicht gibt. Ich bin sehr dankbar, sie in Freiheit genießen zu können. Die grünen PR-Texter haben es auf den Punkt gebracht: CSD statt AfD!

Dafür wünsche ich mir eine All-Year-Pride-Season.

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Traumpass

Eigentlich spielt mein Reisepass eine recht untergeordnete Rolle in meinem Leben. Ich brauche ihn nur, wenn ich die Europäische Union verlasse, und das tue ich nicht sonderlich oft. Doch die Momente, in denen ich ihn in der Schlange vor einer Passkontrolle in den Händen halte, fühlen sich stets sehr bedeutungsschwer an.

Ich besitze etwas, das Milliarden Menschen auf der Welt nicht haben und viele von ihnen gerne hätten. Viele würden dafür vielleicht viel Geld bezahlen, andere zahlen mit ihrem Leben. Ich habe ihn einfach so, meinen deutschen Pass, ohne etwas dafür zu tun und er räumt mit gegenüber vielen den vielen Milliarden Menschen viele Privilegien ein.

Mit meinem Pass darf ich zu jeder Zeit in unser kleines, wohlhabendes Land einreisen und so lange bleiben wie ich möchte. Zugegeben, das hat nicht nur Vorteile. Dafür muss ich auch Müll trennen, den Bürgersteig vor dem Haus sauber halten, zum Fahrspurwechsel blinken und nicht zuletzt an der deutschen Erfindung des Weltschmerzes teilhaben, den so viele von uns allerorten in ihr Leben verspüren und in unsere kleine wohlhabende Welt versprühen. Daneben kann ich jedoch – und das ist weitaus gewichtiger – mein Leben in vergleichsweise zuverlässiger Ruhe und Sicherheit führen. Und arbeiten darf ich hier auch.

Meine Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum haben der Theorie nach die gleichen Möglichkeiten. Meine Privilegien teile ich formal demnach mit geschätzt 525 Millionen Menschen. Für ungefähr nochmal so viele Menschen aus »bestimmten Staaten« besteht zumindest noch eine relativ große Offenheit, dass sie mit uns leben und arbeiten dürfen, sofern sie das denn möchten. Aber das tun sie oft nicht, da es ihnen vielleicht ähnlich gut geht wie uns.

Bleibt der Rest, ca. 85% der Menschheit, der in sogenannten Drittstaaten, nicht aber bestimmten Staaten lebt, und wer unter ihnen nicht gerade hochqualifiziert in einem Gebiet ist, in dem uns die eigenen Spezialisten ausgehen, der kommt aus seinem Drittstaatenstatus nicht so leicht raus – bzw. in unser Land nicht so leicht rein.

Manche Menschen meinen ja, es seien schon viel zu viele von ihnen drin. Das wiederum liegt wohl daran, dass dieser Rest der Welt nur grob die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung erzielt. Ich kann mir vorstellen, es wollten gar nicht mehr so viele hier her, wenn unser Anteil am Bruttoweltprodukt nur ein ganz keiner wäre und sich Wohlstand und Sicherheit irgendwo anders auf der Welt niederließen.

Dann hätte wahrscheinlich auch mein Reisepass einen großen Teil seiner Aura verloren, nämlich der Teil, der mich immer mal wieder – sofern ich mich aufmache, unsere europäische Festung zu verlassen – spüren lässt, wie weit nach oben mich das Leben ohne mein Zutun gespült hat.

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