Humble in heart – Cammino #4

2. Etappe geschafft, von Consuma nach Stia.

Heute morgen haben wir unsere schnucklige, aber sehr kühle Unterkunft verlassen und sind klassisch italienisch frühstucken gegangen, Brioche mit Espresso. Nur süß zum Frühstück ist ja eigentlich nichts für mich, deshalb gab’s noch eine Portion Focaccia dazu, wobei ich die ganz korrekte Bezeichnung leider schon wieder vergessen habe.

Die beiden Nicht-Pilger treffen wir auch im Café, sie müssen aber schnell los, da sie um 16 Uhr bereits angekommen sein wollen – da werden sie abgeholt und zu ihrer Unterkunft gebracht. Nicht-Pilger auf der Suche nach Entschleunigung. Wir werden sie an dem Tag nicht wiedersehen.

Wir sind mit einem weiteren Sonnentag beschenkt, der sicherlich dazu beiträgt, dass ich nach meinen routinemäßigen Startschwierigkeiten nach kurzer Zeit in wieder in euphorische Pilgerlaune komme. Der Pilgerführer verspricht für heute einen kontinuierlichen Abstieg, das scheint nach dem gestrigen Tag auch vollkommen angemessen (wobei es auch Abstiege in sich haben!). Dass auch ein paar knackige Anstiege mit dabei sind, bricht meinen Oberschenkeln fast das Genick. Meinen Füßen geht es gut, aber die 1300 Höhenmeter von gestern stecken mir noch ordentlich in den Beinen. Und die geht es heute wieder runter. Die Laune bleibt trotzdem über weite Strecken stabil.

Meine Aufgabe für die nächsten Etappen: die Euphorie auch über Kilometer 15 hinaus noch emotional verfügbar machen. Das klappt heute wieder nur mäßig gut, aber wir kommen dennoch äußerst dankbar und glücklich nach 20 Kilometern in Stia an.

Wir treffen auch die beiden Pilger mit dem Zelt wieder, eine sehr nette Begegnung. Auf dem Weg stoßen wir immer mal wieder aufeinander und treffen uns schließlich zufällig beim Abendessen wieder. Ich bin berührt von der Nähe, die die Fremden an diesem Abend zulassen – vielleicht weil auch sie offen sind für das, was der Weg ihnen zeigen will. Wir hoffen, sie in La Verna wiederzusehen, sie brauchen morgen Pause.

Der Impuls des Pilgerführers für die Etappe lädt ein, demütig zu sein – oder es auf dem Weg zu werden. Ich denke an die beiden vom Frühstück und frage mich, ob das vielleicht eine notwendige Bedingung für das Pilgern ist, wenig humble in heart zu sein. Lässt sich dieser Weg mit seinen Höhen und Tiefen und seiner riesigen Herausforderung ohne Demut gehen?

Das Gepäck auf dem Rücken und die Steigung vor uns scheinen mir zumindest eine klare Antwort zu geben. There is something always bigger, lager, deeper and wider than us.

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